nachtwache

du hast die nacht zum tag gemacht
und mich zum zombie

am anfang noch voller geduld und verständnis
– zähne bekommen ist kein spaß –
hast du meine geduld dann doch auf die probe gestellt
und ich hab dich nur noch
widerwillig getröstet

kaum zu glauben
bevor es dich gab
bin ich freiwillig so spät ins bett gegangen

heute morgen
bist du genauso unausgeschlafen wie ich
und im schlecht-gelaunt-sein
stehen wir uns in nichts nach

jetzt kommt es auf mich an
das ruder herumzureißen
meine enttäuschung über die kurze nacht
nicht an dir auszulassen

sondern auf den zu sehen
der in meiner müdigkeit mächtig ist

‚Laß dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft wird in der Schwachheit vollkommen!‘
2. Kor. 12,9

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herausgefordert

heute bin ich wieder

herausgefordert

von mir selber wegzusehen
dir zuzuhören, auch wenn du die geschichte schon oft erzählt hast
für dich da zu sein inmitten von chaos, stress und hektik
zum 100. mal dich daran zu erinnern, deine kleidung aufzuräumen
über deine scherze zu lachen
nicht zu vergessen, dir über die haare zu streicheln
deine kommentare zum mittagessen auf die leichte schulter zu nehmen
kindergartenstreitereien ernst zu nehmen
mich in geduld zu üben
deinen wutausbrüchen mit gelassenheit zu begegnen
ohne die augen zu verdrehen die dreckwäsche in die waschmaschine stecken
die welt von deiner perspektive aus zu sehen
dich liebevoll in deine grenzen zu weisen
gnade walten zu lassen
mit dir über jesus zu sprechen
auf schwierige fragen zu antworten (wie sieht meine seele aus?)
auf kleine wehwehchen zu pusten
heute abend noch mit dir zu kuscheln

obwohl ich wahrscheinlich müder bin als du

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zeit nehmen

mal wieder im stress
schnell, schnell, schnell
mach weiter
trödel nicht so!
hör auf mir im gesicht rumzumachen
lass mein haar in ruhe
ich will dich doch nur schnell anziehen!

LASS DAS!

da schaue ich auf
lass meinen blick kurz auf dir ruhen
und erkenne
deine tiefe enttäuschung

mama, ich wollte doch nur dein haar aus dem gesicht streichen

eine liebevolle geste
in meiner hektik harsch beiseitegeschoben

oh, wie tut mir das leid
komm her, meine kleine!

für diese umarmung nehme ich mir jetzt zeit

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zufriedenheit

ich will nicht meine zufriedenheit
in der zukunft suchen
und
ungeduldig darauf warten
dass die kinder endlich durchschlafen
und keine windel mehr brauchen

ich will nicht mein glück
auf irgendwann verschieben
wenn mein leben
in ruhigere fahrwasser kommt
und aufgeschrammte knie und schnupfennasen
der vergangenheit angehören

ich will mich nicht in die zukunft träumen
und darauf hoffen
dass in ein paar jahren
das gröbste überstanden ist
und ich mein leben dann endlich wieder genießen kann

heute
will ich jede minute in mich aufnehmen
heute
das glück in den kleinen dingen erkennen
heute
will ich dankbar sein
heute
will ich mich in gelassenheit üben
heute
will ich zufrieden sein

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