Herausgefordert

Sehnsucht nach mehr

Ich denke in der letzten Zeit sehr oft über den Himmel nach. Und ich bin zu der Überzeugung gelangt, dass ich viel zu wenig über die Ewigkeit weiß. Laut Bibel ist der Himmel doch unser Ziel nach einem ‚anstrengendem Lauf‘. Für immer und Ewigkeit in der Gegenwart Gottes zu sein ist erstrebenswerter, als alles, was mir das irdische Leben bieten kann. Als Christ sollte ich doch bestens über meine ‚Heimat‘ informiert sein. Ich sollte voller Sehnsucht sein nach der Wohnung, die Jesus für mich vorbereitet hat.
Bisher war mir der Begriff Himmel immer so abstrakt vorgekommen und ich konnte mir beim besten Willen nicht vorstellen, ‚immer nur‘ Gott anzubeten. Wird das nicht irgendwann einmal langweilig? Und wie das neue Jerusalem in der Offenbarung beschrieben wird: Gold, Edelsteine usw. Das erinnert mich eher an einen kitschigen, orientalischen Basar! Ja, wenn ich alt und grau bin und mein Leben gelebt habe, dann nehme ich natürlich gerne in Kauf, dass ich in den Himmel komme. Aber jetzt? Jetzt ist das irdische Leben bei weitem attraktiver, als der Gedanke ‚irgendwo da oben‘ bei Jesus zu sein.
Am vergangenen Sonntag ist bei uns im Gottesdienst eine ältere Frau nach vorne gekommen. Sie war ganz schick angezogen und hatte ein wunderschönes Lächeln. Ich saß weit hinten im Gottesdienstraum, aber ich konnte sehen, dass ihre Augen leuchteten und sie ohne Bitterkeit war. Sie fing an zu erzählen, dass sie eine schöne Reise vor sich habe. Von den Ärzten habe sie erfahren, dass sie an Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankt ist und andere Organe schon befallen seien. Eine Operation hat sie abgelehnt; sie will nun ihre letzten Wochen damit verbringen, sich bei ihren Kindern und Enkelkindern zu verabschieden. Voller Zuversicht hat sie gesagt, dass sie sich auf Jesus freut. Auf die Ewigkeit mit ihm. Sie sei ja hier nur auf der Durchreise gewesen. Dann hat sie sich von uns allen verabschiedet. Ich glaube, kein Auge ist trocken geblieben. Und ich habe mich wieder mit dem Gedanken konfrontiert gefühlt, dass ich wissen muss, wo meine wahre Heimat ist. Dass ich – egal, wann Jesus mich zu sich ruft – sagen kann: ich freue mich auf den Himmel! Es muss mir wichtiger sein, als alles, was mich hier vermeintlich reich und zufrieden macht. Ich möchte mit Paulus sagen können: ‚Denn Christus ist mein Leben und Sterben ist mein Gewinn.‘ Phil. 1,21

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Trauer

Die kleine Simi ist gestern in den Armen von ihrem Papa gestorben.

‚Manches Ende ist ein Anfang,
manche Nacht das Morgengrauen,
mancher Tod bringt neues Leben
und Enttäuschung mehr Vertrauen.

Geh den Weg mit bis zum Ende,
geh den Weg mit durch die Nacht.
Geh durch Tod mit und durch Sterben
und dann zeig uns deine Macht.

Deine Hand ertast ich zitternd.
Ängstlich horch ich, was du sagst.
Und ich fange an zu ahnen,
dass du liebst, selbst wenn du plagst.‘
(J. Werth)

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Ist Gott gut?

Mir geht das Schicksal von Simi (das Mädchen, das an Leukämie erkrankt ist) sehr, sehr nahe. Ich kenne sie zwar nicht persönlich, aber da ich die Updates nun schon mehrere Monate verfolge, ist sie mir sehr ans Herz gewachsen. Es ist aber nicht nur das. Es ist wohl die größte Angst einer Mutter ihre Kinder leiden oder gar sterben zu sehen. Allein der Gedanke daran treibt Tränen in meine Augen. Die letzten Tage kämpfe ich mit dem Gedanken, wie ein guter Gott ein kleines Kind an einer so schrecklichen Krankheit leiden lassen kann. Was ist mit seiner Allmacht? Warum nimmt er die Krankheit nicht einfach weg und heilt die kleine Simi? Hätte man sie zu Jesus gebracht, als er noch als Mensch auf dieser Erde war, hätte er sie doch sicherlich auch geheilt! Warum nicht heute? Warum trifft dieser schwere Schlag ausgerechnet eine Familie, die tiefgläubig ist und in den Missionsdienst gehen möchte? Warum gibt es keine Richtlinien, an denen man sich orientieren kann, wann Gott heilt und wann nicht? Und wenn Er nicht heilt, warum kann man nicht erfahren, warum Er es nicht getan hat? Diese Fragen nagen an dem Fundament meines Glaubens. So intensiv habe ich mich noch nicht damit beschäftigt, sehr wahrscheinlich, weil ich noch nie so direkt mit so einer Geschichte konfrontiert war. Wie kann ich mich in Gottes Arme fallen lassen, mich Ihm anvertrauen, wenn morgen auch eines meiner Kinder todkrank werden könnte? Warum habe ich keine Garantie, dass es mir gut gehen wird, wenn ich Jesus nachfolge…dass ich zumindest davon ausgehen kann, dass mir bestimmte Dinge einfach nicht passieren werden? Von menschlicher Sicht kommt mir das alles wie ein großes Zufallsprinizp vor. Man kann keine Prognosen stellen, es gibt keine Garantie auf Gesundheit. Gott scheint das Leid wie ein Bauer seine Saatkörner zu verstreuen, und man weiß nicht, wo das Korn genau landen wird. Und wenn es landet, wird es seine volle Frucht bringen, oder wird es absterben und man ist noch einmal davongekommen? Es erschreckt mich so zu denken, weil mein Vertrauen in einen guten Gott mein Anker ist, mein Kompass. Ohne dieses Vertrauen, ohne meinen Glauben würde ich wie eine Nussschale auf dem Meer gnadenlos den Gezeiten ausgeliefert sein. Aber bin ich das nicht auch mit meinem Glauben? Welche Sicherheiten gibt mir mein Glaube?
Ich lese seit einiger Zeit ein Buch über Zufriedenheit. Da geht es viel darum, dass man – egal in welcher Lebenssituation man steckt – anerkennen muss, dass Gott alles in Seiner Hand hält. Wenn man das kann, dann kann man wahre Zufriedenheit (er)leben. Wenn ich an den Punkt komme, wo ich nicht mehr nach dem ‚Warum‘ und dem ‚Wieso‘ frage, sondern vorbehaltlos meinem großen Gott vertraue, dann geht es mir gut. Egal was passiert. Und dann ist das eigene Wohlbefinden nicht mehr an weltlichen Maßstäben festgemacht: denn dann kann es mir auch ‚gut gehen‘, wenn ich aufgrund meines Glaubens verfolgt werde, wenn es mir an Geld mangelt, wenn ich krank bin, oder nicht weiß, wie es mit meinem Leben weitergeht. Das ist wohl kindlicher Glaube, kindliches Vertrauen, bedingungslose Hingabe.
Mit meinem Mann habe ich gestern abend über Hiob geredet. Was hat dieser Mann nicht alles erleiden müssen! Alles hat er verloren, scheinbar sinnlos wurde er von Schicksalsschlägen gequält. Und trotzdem hat er an Gott festgehalten. ‚Der Herr hat’s gegeben, der Herr hat’s genommen. Gelobet sei der Name des Herrn.‘ (Hiob 1,21). Und trotz großer körperlichen und seelischen Schmerzen glaubt Er an die Allmacht Gottes und Gott belohnt Seinen Glauben. Ich liebe, wie das Buch Hiob endet: ‚Und Hiob starb alt und lebenssatt.‘ Hiob hatte jeden Grund Gott den Rücken zuzudrehen, in Depressionen zu verfallen, sich das Leben zu nehmen. Aber er beugte sich unter Gottes Hand. Er akzeptierte den Kelch voller Leiden. Und Gott segnete ihn mehr als zuvor. Ist das nun eine Richtlinie, an der ich mich festhalten kann? Dass ich, wenn ich nur an Gottes Güte festhalte, egal wie die Umstände in meinem Leben aussehen, am Ende doch die Gesegnete bin? Die Errette? Dass ich Depressionen überwinden kann, weil Er es trotz allem gut mit mir meint? Dass ich Krankheit und Tod aushalten kann, weil sein Joch sanft ist und seine Bürde leicht? Kann ich trotz Schicksalsschläge guten Gewissens meinen Gott anbeten, weil Er zwar ’schlägt, aber auch heilt‘? Ist das das Geheimnis des Glaubens? Tiefes Vertrauen in die Güte Gottes, auch wenn es so aussieht, als wäre Gott nicht gut?
Ich erinnere mich gerade an eine Lobpreiszeit vor einigen Wochen. Da sangen wir das Lied von Andrea Adams-Frey ‚Lobe den Herrn, meine Seele.‘ Der Text ist Psalm 103 entnommen. Als ich vor Jahren unter Depressionen litt und deswegen wochenlang in verschiedenen Kliniken behandelt wurde, hörte ich mir dieses Lied immer wieder auf CD an. Ich weiß noch, wie sich mein Herz anfühlte, als wäre es ein großer Klumpen Traurigkeit. Ich war so weit vom Leben entfernt. Als ich dieses Lied eben vor ein paar Wochen gesungen habe, ist mir plötzlich ganz bewusst geworden: ‚Gott hat mich frei gemacht!‘ Gott hat sein Versprechen gehalten und mein Gebrechen geheilt. Es ist tatsächlich so, dass ich ‚fliegen kann wie ein Adler‘.
Das ist wohl die Antwort auf meine Fragen: inmitten von Leid sich auf die Güte Gottes zu stellen. An Seiner Treue festzuhalten. Sich nicht beirren zu lassen. Selbst wenn die kleine Simi nicht gesund werden sollte, ändert das nichts an der Tatsache, dass Gott gut ist. Auch wenn ich durch das Tal der Depressionen gehen musste, heißt das nicht, dass Gott es nicht gut mit mir meinte. Kann ich es verstehen? Nein. Kann ich es aus Seiner Hand annehmen? Mit seiner Hilfe, ja.

‚Lobe den Herrn, meine Seele,
und was in mir ist, seinen heiligen Namen!
Lobe den Herrn, meine Seele
und vergiß nicht, was er dir Gutes getan hat.
der dir all deine Sünde vergibt
und heilet all deine Gebrechen,
der dein Leben vom Verderben erlöst,
der dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit,
der deinen Mund wieder fröhlich macht
und du wieder jung wirst wie ein Adler.‘
Psalm 103, 1-5

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offen und ehrlich

Gestern abend habe ich einen wunderbaren Blogeintrag von einer guten Freundin gelesen. Es ging hauptsächlich darum, dass wir als Mamas uns oft so unter Druck setzen, dass ’nach außen hin‘ alles perfekt aussieht. Wir wollen alles unter Kontrolle haben oder wollen zumindest, dass es den Anschein danach hat.
Das ist etwas, das ich schon lange beobachte, wo ich selber teilweise mitmache und was mich aber zutiefst stört: dieser ‚Mama-Wettkampf‘, das ‚Ich- stehe- über- allem-und-meine-Kinder-spielen-immer- so-toll-miteinander‘, das ‚meine-Wohnung-ist-immer-sauber-und-bei-uns-gibt-es-nie-Essen-aus-der-Dose-Getue‘. Manchmal frage ich mich allen Ernstes, ob ich die einzige Mama bin, die sich ÜBERFORDERT fühlt, so dermaßen GENERVT, dass ich nur noch meine Koffer packen will, so EINSAM, weil immer irgendein Kind krank ist und man gar nicht mehr unter die Leute kommt, so ÄNGSTLICH, weil ich nicht weiß, ob ich alles richtig mache, so AUSGEBRANNT, weil die Arbeit einfach nie, nie, nie aufhört und die immer so ein SCHLECHTES GEWISSEN hat, weil die Zeit mit Gott, trotz guter Vorsätze, immer zu kurz kommt.
Ich liebe und schätze Ehrlichkeit. Es gibt nichts bessers, als ein Gespräch, wo plötzlich alle Masken fallen und man sich ehrlich mitteilen kann. Es gibt nichts heilsameres, als eine Beziehung voller Vertrautheit, wo ich ich sein kann und mich nicht dafür schämen muss. Und was wir Mamas brauchen ist genau das: offene Beziehungen untereinander, wo wir kein Theater aufführen müssen, sondern als gebrochene Frauen unsere Lasten (mit)teilen können. Wo andere zuhören – ohne Vorwürfe – und mit einem Kopfnicken zu verstehen geben: Das kenne ich! Mir geht es genauso. Das ist Ermutigung pur. Wir brauchen einander.
Lasst uns also das anstrengende ‚Ich- habe- alles -unter -Kontrolle -Getue‘ ablegen und einander in aller Offenheit begegnen. Wir haben nicht alles beieinander und es tut gut, das auch zuzugeben. Lasst uns füreinander einstehen im Gebet. Wir müssen das alles nicht alleine durchstehen. Lasst uns eine starke Gemeinschaft werden von Müttern, die sich ihrer Fehler bewusst sind, die keine Show abliefern wollen, sondern ganz authentisch ihr Mama-sein ausleben wollen. Mit allen Schwierigkeiten und nicht-so-schönen Details. Mit allem Versagen und allen Ängsten. Lasst uns einander offen und ehrlich begegnen.

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Verantwortung übernehmen

Vor ein paar Tagen habe ich mich kurz mit unserer Nachbarin über meinen stressigen Alltag unterhalten. Da sagte sie: ‚Na, wenigstens sind die zwei Großen schon im Kindergarten.‘ Diese Aussage hat mich stutzig gemacht. Denn das klang so nach: ‚Wie gut, dass man seine Kinder abgeben kann. Da hat man es dann leichter.‘ Und dann fiel mir eine Unterhaltung ein, die ich kurz zuvor mit meiner Nachbarin hatte, wo sie sagte, sie sei so traurig, dass ihr Sohn weg geht zum Studieren. Es würde ihr so schwer fallen los zu lassen. Fühlte sie sich genauso, als sie ihren kleinen Sohn in den Kindergarten gab? Oder war das damals nur Erleichterung, endlich nicht mehr alleine zuständig zu sein? Ich erinnere mich daran, als ich unsere erste Tochter Joela in den Kiga gab. Das war noch vor ihrem dritten Geburtstag und ich fühlte mich komplett überfordert mit ihr. Meine Begründung sie so bald in den Kindergarten zu geben war: ‚Sie muss mehr herausgefordert werden.‘ Heute, wenn ich zurücksehe, muss ich mir selbst eingestehen, dass das nur eine Ausrede war. Ich wollte einfach nicht mehr die volle Verantwortung tragen. Ich träumte von ein paar Stunden alleine am vormittag. Ich wollte, dass andere sie miterziehen. In unserer Gesellschaft ist das vollkommen normal und anerkannt. Und bis zu einem bestimmten Grad sicherlich auch berechtigt. Aber ich wundere mich nur, warum wir es kaum erwarten können unsere kleinen Kinder abzugeben, die Verantwortung teilweise oder ganz ‚Fremden‘ zuzuschieben, nur damit wir es leichter und einfacher haben. Entziehen wir uns unserer von Gott gegebenen Verantwortung? Haben nicht wir in allererster Linie den Erziehungsauftrag? Selbst wenn unsere Kinder dann einmal in den Kiga oder später in die Schule gehen, dürfen wir uns dann zurücklehnen und sagen: ‚So, jetzt sind die anderen dran?‘ Ist es nicht unsere höchste Berufung in unsere Kinder zu investieren, uns für sie hinzugeben? Und dann, wenn sie erwachsen sind und wir ihnen alles gelehrt haben, was wir lehren konnten, wenn wir unser ‚Herzblut‘ in sie hineingegeben haben – sie dann mit Freuden und einem guten Gewissen gehen lassen können? Wenn unsere Kinder einmal alt genug sind, ihr Leben in die Hand zu nehmen, dann ist der falsche Zeitpunkt festzuhalten. Dann müssen wir als Mamas bereit sein, sie gehen zu lassen. Jetzt, JETZT!, wo sie noch so klein sind, wo sie unsere Liebe und Fürsorge brauchen, wie das tägliche Brot, da können wir ohne schlechtes Gewissen die Bindung an sie pflegen und vertiefen. Natürlich geben wir sie in den Kindergarten. Aber entschuldigt uns das am Nachmittag unserem Erziehungsauftrag nicht gerecht zu werden?
Ich habe mir nun vorgenommen (nachdem ich mir eingestehen musste, dass ich denke, das Kindergartenprogramm am Vormittag genügt – warum soll ich mir auch noch etwas einfallen lassen?), nachmittags meinen Kindern ein ‚Mama-Programm‘ anzubieten. Ein Bastelprojekt, eine nachgespielte biblische Geschichte, ein kleiner Ausflug zu einem heißgeliebten Spielplatz, Vater-Mutter-Kind-Rollenspiele, ein Picknick im Garten mit Erdbeeren und Popcorn, Nagellackparty…ich will da sein für meine Kinder. Ich will ihnen durch meine Präsenz zeigen: ‚Ich liebe Euch. Ihr seid mir wichtig.‘ Ich will kreativ werden für meine Kinder. Ich will der Verantwortung meine Kinder zu lehren und zu unterweisen gerecht werden.

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