Doch noch ein paar Worte zum Internationalen Frauentag…

Der Internationale Frauentag ist schon vorbei und meine Gedanken drehen sich noch um diesen Tag und all die Gefühle, die er bei mir auslöst. Ganz schön viel Pink in den Sozialen Medien, der freche Hashtag #thefutureisfemale und ein neuer Feiertag in Berlin. Ganz schön viel Frauenpower und Selbstbewusstsein und Mütter, die Bilder von sich und ihren Töchtern posten in T-Shirts mit der glitzernden Aufschrift ‚Girls, girls, girls‘.

Ich habe nun zwei Bücher für Frauen geschrieben und habe es fast als meine Pflicht angesehen einen Post zu veröffentlichen zum Thema Internationaler Frauentag. Zumindest etwas in meinen Stories auf Instagram zu erwähnen. Wenigstens ein Selfie von mir und meinen drei Töchtern. Ein Blogpost. Aber mir fehlten die Worte und irgendwie fehlen sie mir heute immer noch.

Aber ich spüre irgendwas soll, muss ich sagen, denn Frauen liegen mir am Herzen. Ich bin ja selbst eine und ich weiß, was es bedeutet sexuell missbraucht und in einer von Männern dominierten Gesellschaft erwachsen zu werden. Und übersehen zu werden. Den Platz in der Welt nicht so recht zu finden. Ich weiß, wie es sich anfühlt vor einer Gruppe alter, weißer Männer zu sitzen, die ‚Ältesten einer Gemeinde‘ und zu erklären, warum die Missionsgesellschaft entschieden hat, dass mein Mann nicht als Jugendpastor arbeiten kann. Wegen mir, der essgestörten Verlobten‘, die im Weg steht, ein Klotz am Bein ist. Ich weiß, was Sexismus ist, die ewigen, ausgelutschten Frauenwitze, ich spüre die dreckigen Blicke von Männern auf meinem Rücken. Ich weiß und kenne das alles und trotzdem glaube ich an und hoffe ich auf und bete für eine Generation von Männern, mit der mein Frausein gelingt und blühen darf.

Mein Mann und ich, wir haben uns da durchgekämpft und kämpfen immer noch: Gleichberechtigung in der Ehe. Aufteilung der Arbeitszeiten. Die Frage: wer zahlt den Lebensmittelwocheneinkauf. Wir haben uns durch Verletzungen gekämpft, als mein Mann sich stundenlang Pornos reingezogen hat und mich dabei als Frau in meiner Würde tief verletzt hat. Ganz zu schweigen von den Pornodarstellerinnen, die er angesehen hat wie ein Objekt. Unsere Ehe war und ist nicht immer schön und einfach und trotzdem glaube ich an die Ehe zwischen Mann und Frau, weil ich erlebt habe: Heilung ist möglich. Vergebung ist mächtig. Weitergehen ist machbar. Ich liebe meinen Mann. Ich habe ihn neu lieben gelernt. Das ist auch Stärke. Sie kommt vielleicht nicht pink und Hashtagtauglich daher und mag deswegen nicht so in den neuen Hype der sich neu erfindenen Frauenpower passen. Aber ich weiß, was es mich gekostet hat ‚ja‘ zu sagen. Trotzdem. Da zu bleiben. Auszuhalten. Zu vergeben.

Weil Hoffnung in meinem Herzen glüht und weil ich erlebt habe, dass ich als Frau Neuanfänge wagen kann, ohne radikal auszubrechen und alles anzuzweifeln, was ganz brav ‚biblische Schöpfungsordnung‘ genannt wird, erzittere ich innerlich, wenn ich Frauen, wie die amerikanische Buchautorin Glennon Doyle, reden höre.  Die anfangs typisch konservative christliche Bloggerin, die – ohne etwas zu ahnen – jahrelang von ihrem Mann betrogen wurde. Die – von frommen Maßstäben unter Druck gesetzt – in der Ehe blieb, auch um ihrer Kinder wegen. Die dann aber doch ausbrach, mutig und Lesbe wurde und schließlich eine Frau heiratete. Die nun schon 3 Bücher über ihren Lebenswandel geschrieben hat, ihre neugefundene Freiheit und wie sie mit 40 endlich angekommen ist. Sie erzählt in einem Interview, dass sie 2 Töchter und 1 Sohn hat – bis ihre Kinder ihr etwas anderes sagen. Sie sagt, ihre Patchwork Familie sei keine zerbrochene Ehe, sondern eine reparierte (Interview Link). Wenn man ihr zuhört bekommt man Lust auf Abenteuer und unkonventionelle Wege. Glennon Doyle ist eine von vielen Frauen, die ausgebrochen sind aus Scham und Verletzung, die ihren Weg bahnen in einem konservativen christlichen Moralaposteldschungel, die, so kommt es mir vor, absichtlich und mit viel Genuss, Schnappatmung bei bibeltreuen Christen verursachen und voller Freude strahlen und tief zufrieden zu sein scheinen.

Ich kann Glennon Doyle verstehen. Ich kann alles, was sie sagt nachvollziehen. Und ich glaube ihr ihr Glück. Ich kann verstehen, tief nachempfinden, was es bedeutet betrogen zu werden. Unterschätzt zu werden. Nicht für voll genommen zu werden. Ich weiß genau, wie es sich anfühlt von einem frommen Maßstab erdrückt zu werden. Und ich kann so gut verstehen, dass sie sich nun frei fühlt, endlich angekommen. Angenommen.

Diese Sehnsucht, die Glennon Doyle dazu getrieben hat, alles Bisherige über den Haufen zu werfen, ist der Motor des modernen Feminismus. Diese Sehnsucht ist der Motor für den Hashtag #thefutureisfemale. Diese Sehnsucht ist der Motor für die ‚Ehe für alle‘ und den zusätzlichen Feiertag in Berlin. Ankommen. Frei sein. Endlich dürfen. Endlich ausbrechen. Grenzenlos. Ein Leben ohne moralische, männliche Zeigefinger. Ein Leben, das brennt von weiblicher Leidenschaft und Leiterschaft. Letztlich ist es die Sehnsucht nach Liebe. (Und wohlgemerkt steckt in dem Wort ‚Sehnsucht‘, auch ‚Sucht‘. Wir tun alles, um uns geliebt zu fühlen. Alles.)

Wer bei den Glennon Doyles dieser Welt nicht applaudiert und jubelt, muss gefühlskalt sein. Oder prüde. Oder beides. Und trotzdem wird mir mit jedem Internationalen Frauentag unwohler. Ungemütlicher. Ja zu weiblicher Selbstbestimmung und ja zu Frauen in Führungspositionen und ja zu #metoo und ja zum Ausbrechen aus Ehen, in denen ein Partner permanent betrogen und misshandelt wird. Ja, ja, ja. Und gleichzeitig: nein, nein, nein. Denn mir scheint: in aller Euphorie endlich den Weg wählen zu können, der so lange verwehrt war, endlich den Mund aufmachen zu können –  ohne Maulkorb, endlich auszubrechen aus dem konservativen Keuschheitsgürtel, verliert sich die Frau selbst.

So sehr ich die Frauen verstehen kann in ihrer Sinnsuche und Sehnsucht nach Leben und Liebe, so sehr weiß ich, dass die Antworten, die heute auf den Verhandlungstischen in Ehen und Partnerschaften und auf den Schreibtischen von jungen Mädchen liegen, keine Antworten sind. Zumindest keine langanhaltenden und gewiss keine ewigen. Es ist wie das binge eating nach zu langer Abstinenz von Süßigkeiten, es ist wie das hastige Trinken nach zu intensivem Durst, es ist wie das ‚über die eigene Füße‘ stolpern, wenn die Ziellinie des Marathons endlich im Blick ist. Es wird nicht klar und nüchtern gedacht, es wird gefeiert und getrunken und gelacht und mit halboffenen Augen die eigene Unabhängigkeit beklatscht. Frauen scheinen im wahrsten Sinne des Wortes betrunken zu sein von dem Gefühl, endlich etwas ändern zu können. Sich endlich befreien zu können von den hurenden, untreuen, unsympathischen Männern, der testosterongeladenen Domäne.

All das kann ich verstehen bei Frauen, die Jesus nicht kennen. Aber was mich schmerzt und was ich nicht verstehen kann, ist, wenn Frauen, die Jesus kennen, in diese Falle treten. Wenn Frauen, die es besser wissen müssten, die ihren Schwestern, die in ihren Verletzungen und Verwundungen krampfhaft Lösungen und Antworten finden wollen, ein liebendes, leuchtendes Beispiel sein könnten. Dass Frauen, wie Glennon Doyle, den Namen Jesus in den Mund nehmen und gleichzeitig leben, als gäbe es den Gekreuzigten nicht – das schmerzt mich.  Denn dieser Gekreuzigte, dieser Jesus, dieser größte Frauenfürsprecher, den die Welt je gesehen hat, bietet Heilung an. Bietet Wiederherstellung an. Bietet einen anderen Weg an, als den der Selbsterfüllung. Dieser Jesus ist die Definition von Liebe.

Tatsächlich spricht Jesus über Nachfolge als ein Sterben, ein Kreuz tragen, ein sich selbst verleugnen. Und genau darin liegt das Geheimnis des Christseins: im Sterben, im Kreuz tragen, im selbst Verleugnen liegt das Leben. Findet sich Liebe. Das echte, das wahre, das erfüllende, das pralle Leben. Die unverfälschte, treue, ewig haltende Liebe. Nicht in der Selbstfindung, wie uns der Feminismus weis machen will (und wie, so scheint es, jeder Zeitgeist über die Jahrhunderte es irgendwie versucht hat attraktiv zu verpacken.) Sondern in der Kapitulation vor Jesus. Im Hingeben. Im Loslassen. Im Weinen über die eigenen Wunden, im Weinen über die eigene Schuld und dann im Heil werden zu seinen Füßen.

Maria von Bethanien hätte wahrscheinlich ein Buch über Seximus und sexuellen Missbrauch in einer von Männern dominierten Gesellschaft schreiben können. Aber wir finden sie nicht im Ausbruch, nicht in der Selbstfindung, nicht im Männerhass – sondern zu den Füßen von Jesus. Wir finden sie dort, wo ihre Zerbrechlichkeit sichtbar wird und sie ihr Alles, ihr Kostbarstes Jesus schenkt. Ihr Leben, ihr Beispiel ist ein wunderschönes, atemberaubendes Bild für Nachfolge. Für das Christ-sein. Besonders für Frauen. Besonders in unserer Zeit.

Danielgerhatz.com

Denn ich bin davon überzeugt: die stärksten Frauen sind die, die man zu den Füßen Jesu findet. Die in ihrem Zerbruch und in ihrer Wut auf die Männer, die sie verletzt und gepeinigt haben, diesen Ort gewählt haben, der so gar nicht nach Selbstfindung und Empowerment aussieht. Auf den ersten Blick vielleicht ein schwacher Ort, doch dort werden starke Frauen geboren, die die Welt verändern. Jesus selbst sagt über Maria, nachdem sie ihn mit dem kostbaren Nardenöl gesalbt hat: Die ganze Welt wird davon hören, was sie an mir getan hat (Matth. 26,13).

Du willst die Welt verändern? Liebe Jesus. Du willst als Frau deinen Platz in dieser Welt finden und einen Unterschied machen? Liebe Jesus. Du willst Heilung empfangen? Liebe Jesus. Du willst eine global relevante Botschaft haben? Dann liebe Jesus.

Der Feminismus erhebt die Frau zur Antwort auf die Probleme der Frauen. Ich lebe, um zu sagen: die Antwort auf alle Fragen, auf allen Schmerz, auf alle Ungerechtigkeit ist Jesus. Das habe ich selbst erlebt. Dieser simple Glaube hat meine Ehe gerettet und mich in meine Berufung katapultiert. Diese simple Überzeugung kann alles verändern.

Was diese Überzeugung nicht macht: das Leben einfach. Nein, das mit dem Kreuz und der Selbstverleugnung ist ernst gemeint. Jesus nimmt nicht die Spannung weg. Jesus malt nichts pink an, aber Jesus hilft inmitten von allem Unheil, von Ungerechtigkeit und Unsinn Frieden zu erfahren. An dieser Stelle sei aber gesagt: Gewalt an Frauen ist niemals, unter keinen Umständen zu dulden. Jede Frau hat das Recht, sich zu wehren und einer Ehe den Rücken zu kehren, wenn sie misshandelt und missbraucht wird. Keine Frau muss schweigen, wenn sie sexuell missbraucht wird. Das hat Jesus klipp und klar gemacht, als er auf dieser Welt lebte und die Frauen, denen er begegnete, ehrte und wertschätzte. Wir können heute nicht ganz nachvollziehen, was das Verhalten Jesu gegenüber Frauen für ein unerhörter Skandal war. Auch dafür wurde Jesus von den Pharisäern ans Kreuz gewünscht.

Der Internationale Frauentag ist eine immer schriller klingende Lobhymne auf die Frau. In diesen lauten Tönen liegt nicht die Antwort, das ist kein Anfang, darin liegt das Ende. Im Selbstverliebtsein und in der Selbstüberschätzung werden wir Jesus verpassen. Und in der Überzeugung die Lösung für sämtliche von Männern verursachte Ungerechtigkeit zu sein, verpassen wir den Sinn. Und unsere Bestimmung als Frau.

Was ich Frauen wie Glennon Doyle, was ich allen Frauen von Herzen wünsche (und nun habe ich doch noch ein Wort zum Internationen Frauentag gefunden…): dass sie zu den Füßen von Jesus sitzen können und sich von ihm lieben lassen können. Dass sie dort heil werden und nicht aus Verletztheit die Welt verändern, sondern aus Heilung. Dass sie diesen dicken, wohltuenden Balsam der Liebe Jesu auf jedes wunde Herz geben können, weil sie ihn selbst empfangen haben. Dass sie nicht mehr der Anwalt ihrer selbst sein müssen, weil sie ihr Verlangen nach Rache abgegeben haben an den gerechtesten Richter aller Zeiten. Dass sie vergeben können – den untreuen Ehemännern, den übergriffigen Kollegen, den Vergewaltigern. Nicht, um die Ungerechtigkeit gut zu heißen oder tot zu schweigen. Aber um endlich in echter Freiheit zu leben, denn Vergebung setzt frei.

Die stärksten Frauen findet man zu den Füßen Jesu, davon bin ich überzeugt. Und ich sehe, wie sich diese Frauen erheben. Eine nach der anderen. Gefunden, geheilt, gekrönt. Sie machen sich auf die Welt zu lieben. Es sind die Töchter Gottes. Nichts wird mehr so sein, wie es einmal war.

#tochtergottes

4 Kommentare zu „Doch noch ein paar Worte zum Internationalen Frauentag…“

  1. Liebe Inka,

    das ist stark. Das ist ehrlich, mutig und herausfordernd. Ich liebe es, wie Du immer wieder auf Jesus verweist. Und ich freue mich, dass ich in diesen Zeiten, wo man einfach viel Zeit zum Lesen hat, auf Deinen nachdenkenswerten Beitrag gestoßen bin… Danke.

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