Die kleinen Dinge

Die letzten 2 Jahre habe ich meinen gesamten Lebensstil umgekrempelt. Meinen Konsum überdacht. Die Lebensmittel im Kühlschrank genauer unter die Lupe genommen und die Inhaltsangaben auf Shampooflaschen gelesen. Vieles, was ich vorher bedenkenlos und vielleicht auch etwas gutgläubig in den Einkaufswagen gelegt habe, wurde nun Schritt für Schritt rigoros aussortiert.

Ich glaube, dass Gott, nachdem er sich intensiv mit meiner inneren Heilung, meinem Herzen, beschäftigt hat, mich auf eine neue Reise der Heilung geführt hat. Und vielleicht ist das auch ein ganz natürlicher Prozess: wenn das Innere heil wird, hat das unaufhaltsam Auswirkungen ’nach außen‘. Ich habe das Leben ganz anders wahr genommen und mich selber auch. Und da konnte ich dann gar nicht anders, als Dinge in Angriff zu nehmen und es besser zu machen.

Ein großer Schritt war für mich nicht mehr das billigste Gemüse und Obst zu kaufen, sondern das gesündeste. Ich dachte immer: Hauptsache bunt, Hauptsache irgendeine Frucht, irgendein Gemüse. Egal woher es kommt, egal wie es angepflanzt, geerntet und verschickt wurde. Nachdem ich mich immer mehr damit beschäftigt habe, unter welchen Voraussetzungen Obst und Gemüse in unserer globalen Welt in den Handel gebracht wird, wusste ich: das kann ich nicht mehr unterstützen. Ich habe versucht meine Einkaufsliste nach der Saison zu richten und vor allem lokal und bio einzukaufen. Ich wollte keine giftigen Spritzmittel mehr auf meiner italienischen Tomate und meinem Salat aus Holland haben. Ich wollte reifes Obst essen und kein unreifes. Und ich war auch bereit mehr Geld dafür auszugeben. Wobei es unterm Strich nicht wirklich mehr Geld war – das bewusste Einkaufen hielt mich davon ab zu viel zu nehmen. Ich schmiss kaum mehr Obst und Gemüse weg, weil es schimmelig geworden ist oder es keiner essen wollte.

Nun hatte ich endlich eine gute und gesunde Routine für unsere Familie gefunden. Es fühlte sich wunderbar an, aufmerksam zu essen, zu wissen dieses Stück Frucht ist wohltuend und heilungsfördernd für meinen Körper.

Als wir nach Amerika kamen ist diese Routine total durcheinander gekommen. Es hat mich in Deutschland einige Zeit gekostet, bis ich wusste, wo ich was herbekomme – hier in den USA wusste ich gar nicht wo ich anfangen sollte mit dem Suchen. Zwar gibt es hier auch mittlerweile viele Bio Angebote – auch im normalen Supermarkt – aber ich vermisste meine Lebensmittel vom Bauernhof und wusste außerdem nicht, ob das Bio Siegel mit dem in Deutschland vergleichbar ist. Es hat mich richtig geschmerzt keine vergleichbaren  Lebensmittel zu finden und ich vermisste meine wöchentliche Biokiste, die mir in Deutschland an die Haustüre geliefert wurde.

Ich habe im Internet gesucht und schließlich eine kleine Farm gefunden, die ihre Obst- und Gemüseernte direkt verkauft, noch dazu ganz in der Nähe. Vor ein paar Tagen waren wir das erste Mal dort und mir kamen wirklich die Tränen, als ich an den Tomaten, den Zucchini, den Paprika und dem Knoblauch vorbeiging und alles bestaunte. So muss Gemüse aussehen! Ich hielt ein Glas Honig mit der Wabe in den Händen, entdeckte Eier von glücklichen, freilaufenden Hühnern und freute mich über die Erdbeeren (ja, die haben hier gerade noch Saison!). Ich erkundigte mich nach ‚raw milk‘ und erfuhr dabei, dass ich auch Hüttenkäse und saure Sahne hier bekommen könnte. Und frisch gepressten Orangensaft, ohne irgendwelche Zusätze. Ich war im siebten Himmel! Und während ich meinen Einkaufskorb mit all den Köstlichkeiten füllte, spürte ich die Liebe Gottes über mir.

Ich hab dich gesehen, mein Kind. Ich wusste, was dir fehlt. Und ich gebe es dir gerne. Freu dich daran! Genieße es.

Dieser Moment ist mir unendlich kostbar. Denn ich lerne gerade wieder einmal neu, dass Gott mich sieht und dass er meine Bedürfnisse kennt. Die letzte Zeit hat mich glauben lassen, dass Gott mich übersieht, dass er an meinen kleinen und großen Wünschen und Sehnsüchten keinen Gefallen hat oder dass sie einfach nicht wichtig genug sind. Die Welt verfällt in Angst und Schrecken – wie darf, wie kann ich da an mich und mein Herz denken? In all dem Schrecklichen was ich – und so viele, viele andere – erlebt haben und noch erleben, habe ich meinen Glauben an einen guten, an einen liebevollen Gott aus dem Blick verloren.
Ich merke, dass Gott diesen Schmerz der vergangenen Wochen und Monate heilen will und mir neu sein Herz offenbaren möchte. Er ist ein guter Vater, ein liebender Vater, der mein Herz durch und durch kennt. Diese Farm mit den Holzständen und den liebevoll ausgelegten Äpfeln, Birnen und Weintrauben war für mich wie ein Einblick in das Vaterherz Gottes. Ein Sehen und Schmecken, dass er gut ist. Ein Staunen darüber, wie er sich selbst um die kleinsten Details kümmert.

8 Kommentare zu „Die kleinen Dinge“

  1. Renate Pfisterer

    Liebe Inka, ich danke Dir für Deine Worte…. es steckt soviel mehr Wahrheit und Weisheit hinter dem was Du formulierst. Ich arbeite in einem Bio Betrieb und wir bringen frische Milch und einiges mehr direkt an die Haustüre. Ich bin dafür sehr dankbar, mache jedoch oft bei meinen Einkäufen Kompromisse…. Deine Worte ermutigen mich nochmals genauer hinzuschauen und Dinge zu prüfen. Ich freue mich immer, was von Dir zu lesen und fühle mich inspiriert, Deine offene, ehrliche Art springt auch noch über den großen Teich in mein Herz…. Danke für alles was Du teilst. Mein Leben ist in einem schmerzhaften Zerbruch und da bist Du mir mit Deinem Teilen von Deinem Herzen schon oft ein Segen gewesen….. Alles Liebe und Gute für euch als Family in dieser „neuen Welt“… DER HERR SEI VOR EUCH UM EUCH DEN RECHTEN WEG ZU ZEIGEN, DER HERR SEI UNTER EUCH UM EURE SCHRITTE SICHER ZU MACHEN, DER HERR SEI NEBEN EUCH UM EURE HÄNDE ZU FÜHREN. DER HERR SEI IN EUCH UM EURE KRAFT ZU STÄRKEN. DER HERR SEI ÜBER EUCH UM EUCH ZU SEGNEN.

  2. Danke für deinen so schönen und wertvollen Bericht. Ich hatte auch den Eindruck, Gott sieht uns nicht…sieht über uns hinweg…es ist gerade nicht einfach. Aber wie ich das hier so lese, fällt mir auch eine Begebenheit von den letzten Tagen ein.
    Wir waren auf einer kleinen Wanderung…unser Weg führte zw. Streuobstwiesen entlang…und unter den Bäumen lagen wunderschöne Äpfel so dicht wie Teppiche. Uns hat es so viel Spaß gemacht, sie zu sammeln und so viel mitzunehmen, wie wir tragen konnten.
    Am nächsten Tag ging es mir nicht gut…außerdem hatte ich noch nichts gegessen. Mein Blick fiel auf diese schönen Äpfel und ich begann eins…zwei zu essen.
    Dabei merkte ich, wie ich richtig Kraft bekam. Ich dachte: diese Äpfel kommen mir gerade vor wie sein Manna…’Brot‘ vom Himmel. Sie haben meinen Blick wieder auf ihn gerichtet und mir äußerlich und auch innerlich Kraft gegeben.

  3. Danke Inka!
    Ich habe ähnliche Situationen in den letzten Wochen erlebt. Zum Beispiel Walnüsse oder frische Äpfel, die wir auf unseren Spaziergängen finden durften.
    Unser himmlischer Vater ist so ein guter Versorger ganz egal wo wir sind.
    Deine Geschichte hat mich ermutigt daran festzuhalten!
    Seid gesegnet 🙂

  4. Liebe Inka,
    ich kann das so gut nachvollziehen… diese Freude über wert-volles Obst und Gemüse und den Schöpfer, der dahinter steht und uns so reich beschenkt! Ich hatte auch vor 2 Jahren einen so überwältigenden Moment, als wir Freunden bei der Weinernte geholfen haben und mir der herrliche Traubensaft die Arme herunterlief! Welch eine Fülle, welch ein Geschenk!
    Alles Liebe und noch viele solcher Erlebnisse in deiner Auszeit wünsche ich dir!

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