Muttertag Blues

Der Muttertag ist vorbei und für alle Mütter hat heute wieder der ganz normale Alltag angefangen. Irgendwann sind die Rosen verwelkt, ist die Schokolade aufgegessen und die Kindergemälde und Basteleien sind in einer Schublade verschwunden. Der Zauber, sich von allen innig geliebt zu fühlen, verpufft und wir finden uns wieder an den Wickelkommoden und den Herden unserer Heime.

Ich kann mich erinnern, dass ich als junge Mama eine riesengroße Erwartung an den Muttertag hatte. Und ich wurde regelmäßig enttäuscht. Meine Kinder, vor allem als sie noch kleiner waren, hatten überhaupt keine Vorstellung davon, wie unglaublich wichtig mir dieses eine harmonische Familienfoto war und trotzten um die Wette. Oder wie sehr ich mir ein ruhiges, relaxtes Frühstück wünschte. Ich war an diesem Tag immer überdurchschnittlich sensibel (das will was heißen) und überdurchschnittlich schnell beleidigt (das auch). Ich wollte wenigstens einmal im Jahr gefeiert werden, für meine Opfer an den übrigen 364 Tagen. Ich wollte mich geliebt und unersetzlich fühlen. Und das hat nie so richtig geklappt, weil meine Erwartungen zu hoch waren und meine Kinder und mein Mann gar nicht fähig diese tiefe Sehnsucht in mir zu stillen.

Ich liebe den Muttertag und ich finde, er ist eine sehr gute Institution. Aber er ist auch irreführend. Denn es geht erstens nicht darum, die Mütter nur einmal im Jahr zu ehren und zweitens sind Ehemann und Kind nicht dazu da, der Frau das Gefühl zu geben, geliebt und zu sein und gebraucht zu werden. Zumindest nicht in erster Linie. Solange wir Frauen uns darüber identifizieren, dass wir verheiratet sind und ein Kind (oder mehrere) auf die Welt gebracht haben, wird jeder Muttertag in einer Enttäuschung enden und die Tage darauf wird der Muttertag Blues sein Unwesen treiben.

Es ist so schön, an einem Tag sich besonders geliebt zu fühlen und ich genieße das auch sehr (seit meine Kinder das Konzept ‚Muttertag‘ verstanden haben). Aber darum geht es im Großen und Ganzen überhaupt nicht. Denn wenn der gehypte Muttertag vorbei ist, stehen wir eben wieder mitten im Alltag und spätestens da zeigt sich, woraus wir unsere Kraft und Identität ziehen. Daraus, dass die Kinder in selbstgenähten Outfits wie Nachwuchsmodels aussehen? Dass im Haushalt alles plastikfrei ist und wir unsere Kinder auf keine 10 Menter an industriellen Zucker heranlassen? Dass wir innerhalb von 6 Monaten die Babypfunde abtrainiert haben und wieder rank und schlank den größeren Nachwuchs beim Kindergarten abliefern? Dass meine Kinder ihre Zimmer selbstständig aufräumen und die Spülmaschine – ungefragt- noch dazu? Dass wir uns selbstverständlich für den Elternbeirat aufstellen lassen, weil wir alles mit links schaffen?

Der Muttertag hat mich schon mehr als einmal entlarvt, dass ich meine Identität darin suche, wie sehr mich meine Kinder lieben und wie wunderbar sie mich nach außen hin repräsentieren. Dass mein Mann daran denkt, mir Blumen zu kaufen und das Frühstück ans Bett zu bringen. Dass ich mir eigentlich ganz selbstverliebt auf die eigene Schulter klopfen darf, wie gut ich doch als Mama bin.

Doch geht es wirklich darum? Um das Gefühl alles wunderbar auf die Reihe zu bekommen?

Der Kern von Mutterschaft ist Opferbereitschaft und die Fähigkeit zu lieben, auch wenn es weh tut. Es ist die Offenheit sich hinzugeben, wenn keiner hinsieht und all die Aufgaben zu übernehmen, für die es keinen Applaus gibt. Es ist der Verzicht auf Gehalt und Karriere und das Hergeben des eigenen Körpers, dass ein neuer Mensch heranwachsen kann und durch uns genährt werden kann. Mutter-sein ist harte Arbeit und Treue im Verborgenen. Mutterschaft geht an die Grenzen und darüber hinaus und wer Mutter wird, um sich gefeiert, geliebt und gebraucht zu fühlen, wird enttäuscht werden.

Ein Tag trägt nicht durch das ganze Jahr und wenn wir als Mütter nicht fest in unserer Identität als geliebte Töchter Gottes gegründet sind, werden wir Opfer des Muttertag Blues.

Es gibt einen, der dich jeden Tag würdigt und es ehrt, wenn du die 101. Windel entsorgt hast. Es gibt einen, der es wahrnimmt, dass du diese Aufgabe des Mutter-seins übernommen hast. Es gibt einen, für den ist jeder Tag Muttertag, weil er weiß, dass ohne Mütter diese Welt ein kalter, liebloser Ort wäre. Es gibt einen, der für Mütter kämpft und für sie eintritt, weil sie eine strategische Position einnehmen in seinem Reich. Es gibt einen, der um die Wichtigkeit von Mutterschaft weiß, weil Mütter der nächsten Generation die Tür zu Bestimmung und Berufung öffnen.

Wenn wir unseren Wert und unsere Würde bei diesem einen, bei Gott unserem himmlischen Vater, suchen und finden – dann sind wir bestens ausgestattet für die 364 Tage, wo es keine Rosen und keine Pralinen gibt. Mutterschaft ist ein Privileg, das sich nicht immer so anfühlt. Aber gegründet und gefestigt in dem Wissen, dass meine Sehnsucht nach Liebe und Anerkennung in der Begegnung mit Jesus gestillt wird, wird mein Mutter-sein erfüllt mit Liebe und Sinn. Jeden Tag – auch am Muttertag.

Und noch ein kurzer Nachtrag: Es gibt unendlich viele Mütter – ohne Kinder. Es gibt Frauen, die haben ein mütterliches Herz und keine eigenen Kinder und investieren es trotzdem. Für diese Heldinnen gilt der Gedanke ganz besonders: es braucht keinen Muttertag, dass du dich gefeiert, wahrgenommen und geliebt fühlen kannst. Gott sieht deine Sehnsucht und deine Investition und er sieht dich und dein Herz.

16 Kommentare zu „Muttertag Blues“

  1. Ohh Inka, welch ein wunderbarer Text, auch und gerade mit dem Nachwort. Vielen Dank!! Mein Muttertag war auch sehr mäßig und hat mich eher traurig gemacht. Daher danke ich dir für den richtigen Fokus, den du setzt! Es ist so wahr: wir sind Töchter (Kinder) Gottes, das ist unsere wahre Identität.

  2. Liebe Inka, für mich das Beste was ich je zu dem Thema Muttertag gelesen habe. Ich danke Dir von Herzen.
    Und eines noch nebenbei, weil ich so selten kommentiere. Dein Buch ist soo gut, ich komme zwar nicht schnell vorwärts, weil es eben einiges in mir macht, aber das ist wohl auch Sinn der Sache… Auch danke dafür!! Liebe Grüsse, Maike

  3. Dankeschön für Deinen Nachtrag für Mütter ohne Kinder!! Dazu zähle ich mich (noch) und Deine Blogs helfen mir mich als vollwertige Frau zu fühlen, unabhängig davon ob ich Kinder habe oder nicht!!

  4. Vielen Dank für deine Zeilen! Ich finde den Gedanken spannend, eine Mutter zu sein, auch wenn ich noch keine Kinder habe! Hab ich so noch nie drüber nachgedacht…aber es stimmt! Jedes Investment in Gottes Reich sollte gewürdigt werden, was in irgendeiner Form Seinen Kindern zu Gute kommt! 🙂 Vielleicht nenne ich es dann für mich einfach „Heldinnen-Tag“! 😉

  5. Patricia Eckert- Schwarz

    Liebe Inka, das ist wohl einer der schönsten Texte zum Muttertag- fernab von Sentimentalität und Kommerz hast du in Worte gefasst um was es eigentlich geht.
    Danke für deine Gedanken.

  6. Sauer Birgitta

    In 39 Jahren Muttersein hatte ich auch genügend enttäuschende Muttertage. Man hat das Gefühl man rackert sich völlig umsonst ab und niemand erkennt das an. Aber gestern hab ich von meinen nun längst erwachsenen Kindern einen Brief bekommen der mich total geflasht hat , allen Kummer , all die Zweifel, die

    man mit den Kindern hatte, vergessen lässt. Ich muss euch unbedingt an meiner Freude, über das wohl schönste Muttertagsgeschenk, das ich je bekommen habe, teilhaben lassen:
    Liebe Mama,
    Danke, dass du immer selbstverständlich gibst, ohne eine Gegenleistung dafür zu erwarten.
    Danke, dass du ein Vorbild darin bist, die Welt mit positiven Augen zu sehen und nachsichtig und tolerant mit seinen Mitmenschen umzugehen.
    Danke für deine Gutherzigkeit. Danke für alles.
    Deine Kinder

  7. Das durfte ich dieses Jahr zum ersten Mal erleben, das es beim Muttertag nicht darum geht was mir meine Kinder schenken, oder mein Mann (obwohl ich ja nicht seine Mutter bin)! Ich habe ganz bewusst den Fokus darauf gelegt, mich zu freuen, dass Gott mir 3 wunderbare Töchter geschenkt hat und ich so eine wunderbare Aufgabe habe.
    Danke für deine Worte, es tut so gut zu wissen, dass Gott da ist und sieht was wir leisten, was wir aufgeben und er hilft uns zu entdecken, was wir alles dafür geschenkt bekommen. Es ist nämlich so viel mehr als wir geben…

  8. Monika Silke Haußer

    Mein Muttertag gestern bestand darin meiner Tochter eine schöne Konfirmationsfeier zu ermöglichen. Es war der schönste Muttertag seit Jahren. Beim Lesen deines Blogeintrags wurde mir auch klar warum. Ich war damit beschäftigt zu dienen und es meiner Familie schön zu machen und nicht damit enttäuscht zu sein, weil ich nicht die tollen Aufmerksamkeiten bekomme, die andere Mütter an solchen Tagen gern zur Schau stellen.

    Da werde ich mal weiter drüber nachdenken… 🙂

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