USA

Meine echte Heimat

Gestern sind wir in Deutschland angekommen. Unser altes Zuhause. Das neue Zuhause in den USA haben wir vor zwei Tagen abgeschlossen, die Katzen sind versorgt und die Blumen werden in den nächsten vier Wochen gegossen. Zwischen Neu und Alt liegen viele tausend Kilometer und ein großer Ozean. Manchmal ist es nicht so einfach, das Gestern und das Heute in meinem Kopf zusammen zu bekommen. Mein altes Ich und mein neues Ich. Denn ich habe mich verändert durch die neue Kultur und andere Lebensweise in den USA, die vielen Umbrüche, die mich geprägt haben. Das Loslassen und Aufbauen. Diese Phase zwischendrin, wo ich mit leeren Händen dastand und eigentlich überhaupt nicht mehr wusste, wer ich eigentlich bin. Und wo ich hingehöre. Dieser ganz tiefe Schmerz, der mein Herz in Zwei geteilt hat.

Dieses Gefühl, dass ich nicht so recht weiß, wo ich hingehöre – das ist zwar in meinem Alltag nicht mehr so präsent, aber gestern war es doch wieder deutlich zu spüren. Als ich durch die Straßen fuhr, die vor ein paar Jahren noch Heimat waren, kroch es wieder in mir hoch. Es fühlt sich an wie ein Kloß im Hals, ein Druck auf der Brust, eine inneres nicht Angedockt-sein. Die Straßen, die mir so wohlbekannt sind, fühlten sich gestern ganz fremd an. Die Kultur, in der ich aufgewachsen bin und die laut dem Reisepass, den ich gestern mehrmals herzeigen musste, auch noch zu mir gehört. Ich bin deutsche Staatsbürgerin. Aber es fühlt sich nicht mehr vertraut an. Nicht mehr greifbar. So viel hat sich geändert!

Meine Kinder haben die letzten Tage ein ähnliches Gefühlschaos erlebt. Die große Frage – „Wo gehöre ich hin?“ – ist wie ein Schatten, der unsere Herzen manchmal ganz vereinnahmt. Wir gehören nach Amerika. Das war schon ein Teil von uns, als wir noch in Deutschland lebten. Weil mein Mann ein US Amerikaner ist und die Kultur, die Feste (Thanksgiving, Geschenke erst am 25.12., die easy going Lebensweise…) unser Familienleben seit Beginn prägten. Doch damals schon haben wir ansatzweise diese innere Zerissenheit gespürt. Wo gehören wir eigentlich hin? Das hat sich intensiviert, als wir 2021 in die USA zogen und wir nicht nur viele unserer Habseligkeiten (Lieblingscouch, Lieblingstisch, Lieblingsschrank…) hinter uns gelassen haben, sondern auch unsere Wurzeln, die in 20 Jahren Ehe und Familie tief in deutsche Erde gewachsen sind. Denn natürlich gehören wir auch nach Deutschland. Weil ich Deutsche bin und alle unsere Kinder in Deutschland geboren wurden. Weil das die Kultur ist, die wir lange intensiv gelebt haben, die ein Teil unseres Alltags war. Kindergarten, Schule, Freunde. Alles war deutsch!

Was passiert, wenn man einen Baum entwurzelt? Die Blätter werden kraftlos und man muss ihn intensiv hegen und pflegen, dass er in der neuen Erde auch wirklich wieder tief wurzeln kann. Es kann sein, dass der ein oder andere Ast abstirbt. Es dauert, bis der Baum wieder kraftvoll den Stürmen trotzen kann. 

Meine Wurzeln haben nun langsam wieder angefangen zu wachsen. Nachdem es sich über viele Monate so angefühlt hat, als würde ich im luftleeren Raum schweben und keinen Boden unter den Füßen haben, als wäre ich irgendwo ablegt worden und hätte den Sinn meines Lebens aus den Augen verloren, fühlt sich mein Leben wieder nach mir an. Es fühlt sich echt an. Ich habe aufgehört, mein neues Leben ständig mit meinem alten Leben zu vergleichen.

Es ist wie ein nach Hause kommen. Es fühlt sich gut an. Und es war tatsächlich ein heilender Moment, als ich vor zwei Tagen realisierte, dass ich eigentlich lieber zu Hause bleiben zu möchte, weil ich mich unserem Haus mittlerweile so wohl fühle. Das Ankommen in meinem alten Leben, wieder in das das fremde Vertraute einzutauchen, fordert mich nun heraus. Die Frage klopft wieder und wieder an: „Wo gehöre ich eigentlich hin?“. Und das verunsichert mich und macht mich auch ein wenig traurig. Mein Leben passt einfach in keine Schublade und in keine Kategorie.

Aber, – auch wenn es schmerzt – will ich genau das feiern! Dass mein Leben anders ist. Dass ich auf Wegen gehen darf, die noch nicht ausgetreten sind. Mein Herz sucht sich Neuland. Ich bin dankbar für meine Abenteuerlust. Es ist so spannend unterwegs zu sein, vom Leben herausgefordert zu werden, Dinge zu tun, von denen man niemals dachte, dass sie möglich wären. Über Mauern zu springen, sich von herausfordernden Lebensumständen nicht einschüchtern zu lassen, Resilienz entwickeln, Glaubensschritte zu wagen…

(Übrigens: Klingt das nicht alles nach genau dem Leben, das auch dir verheißen ist? Ein Leben, das in keine Kategorie passt, weil Jesus in dir lebt und er alle Vorstellungen sprengt? Sucht sich dein Herz auch Neuland? )

In all den Umbrüchen der letzten Jahre, dem Heimweh, der Orientierungslosigkeit habe ich wieder und wieder sagen können: Mein wahres Zuhause ist Jesus.

Das ändert sich nicht; egal auf welchem Kontinent ich lebe. Und eigentlich beantwortet das auch meine nagende Frage nach meiner Heimat. Jesus ist meine Heimat. Meine Wurzeln müssen vor allem in ihm wurzeln. Meine Identität macht sich nicht an meinem Reisepass oder an meiner Adresse fest. Oder an meinem Geburtsort. Oder wer meine Eltern sind. Oder welche Sprache ich spreche. Sondern daran, dass ich eine erlöste Tochter Gottes bin, eine Frau, die nicht nur auf dieser Welt lebt, sondern auch (oder sogar viel mehr?!)  in geistlichen Dimensionen. Diese Erde ist mein Sprungbrett in den Thronsaal Gottes. Mein Durchgangsort, meine Reise nach Eden. Mein Weg nach Hause.

Egal, wie verloren ich mich hier auch von Zeit zu Zeit fühlen mag – ich wurde schon längst gefunden. Meine echte Heimat ist Jesus.

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Gott ruft die Pioniere

Mein Mann und ich schauen uns gerade eine Serie über Siedler an, die sich im 19. Jahrhundert auf den Weg in den Westen Amerikas machten. Der Mut der Siedler hat mich schon immer sehr bewegt und Filme wie ‚In einem fernen Land‘ haben mich schon als Teenager total mitgerissen.

Gestern Abend hat mich eine Szene besonders angesprochen und ich glaube, dass sie ein deutliches Bild von der Situation zeichnet in der sich viele von uns befinden.

Die Gruppe von Siedlern ist schon ein paar Tage in unwegsamen Gelände von Texas unterwegs und sie kommen an einen Fluss, den sie überqueren müssen. Die meisten können nicht schwimmen und haben ihre ‚Wagons‘ voll geladen mit Möbeln und Erinnerungsstücken aus ihrer Heimat. Die erfahrenen Begleiter der Gruppe sprechen Klartext: Ihr müsst alles, was nicht unbedingt notwendig ist, abladen – ansonsten schafft ihr es nicht an das andere Ufer. Die Menschen brechen in Tränen aus, denn sie haben sowieso nicht viele Besitzgüter und diese wenigen Dinge sind alles, was ihnen aus ihrem alten Leben geblieben ist. Die Szene erreicht ihren Höhepunkt, als ein Musiker sich weigert sein Klavier abzuladen. Dieses Klavier bedeutet seinen Lebensunterhalt und er kann sich nicht vorstellen es zurückzulassen. Dem burschikosen ‚Captain‘, der die Gruppe anführt, platzt der Kragen und er fährt den Musiker an: ‚Du bist kein Musiker, du bist ein Pionier. Und das ist alles, was du bist, bis du ankommst.‘ Der Musiker bricht zusammen, weil er erkennt: wenn er an seinem Ziel ankommen möchte, dann muss er das, was in ihn bisher definiert hat und ihm Sicherheit gegeben hat, hinter sich lassen und sich seiner neuen Rolle als ‚Pionier‘ fügen.

Die darauffolgende Szene, als die Menschen über den Fluss übersetzen und die Kamera dann auf die Wiese schwenkt wo Bettgestelle, Öfen, Stühle und Tische wild durcheinander stehen, ging mir so nahe. Inmitten von all diesen Schätzen, sieht man das Klavier stehen. Es kostet etwas ein Pionier zu sein.

Ich glaube, dass wir uns in einer Zeit befinden, wo Gott uns ruft kompromisslos das Alte zurückzulassen, weil wir mit dem unnötigen Ballast nicht in dem ‚Neuen‘ ankommen können, in das Gott uns hineinführen möchte. Damit lassen wir auch ein Stück unserer Identität zurück, so wie der Musiker sein Klavier. Es ist ein unglaublich unbequemer Ort, diese Spannung zwischen zwei Destinationen. Es kostet wirklich viel sich aufzumachen und loszulassen. Voranzugehen, ohne genau zu wissen, wohin man eigentlich geht.

Diese Siedler haben von diesem Ort ‚Oregon‘ gehört. Sie hörten, dass es dort sattes Ackerland gibt, Berge und Meer. Es zog sie dorthin, obwohl der Weg voller Gefahren und Entbehrungen war. Aber sie waren noch nie dort. Sie wissen nicht, wie sich die Luft anfühlt, wie es riecht, welche Blumen dort wachsen und welches Getreide am besten gedeiht. Sie gehen, weil sie eine Vision von einem anderen, besseren Leben haben. Sie gehen, weil sie mit dem Leben, das sie bisher hatten, unzufrieden sind. Sie sehnen sich nach mehr.

Gott ruft die Pioniere. Pioniere sind ‚Wegbereiter‘. Sie sind Bahnbrecher, Vorläufer. Sie sind bereit Opfer zu bringen um neues Land zu erobern, Dinge zu tun, die noch nie jemand zuvor getan hat und sie tun dies oft einsam und missverstanden.  Es sind die Calebs und die Joshuas, die der großen Menschenmenge zurufen: ‚Das Land, das wir durchwandert und ausgekundschaftet haben, ist sehr gut.‘ (4. Mose 14) Es sind die Visionäre, die mutigen Kundschafter, die Gott ohne Kompromisse in unbekanntes Terrain folgen und einen Weg bahnen. Es sind die mit großem Glauben, die keine Angst vor den Riesen haben, die das verheißene Land besetzen.

Wir befinden uns in einer Übergangsphase. Es geht eine Ära zu Ende und es beginnt etwas Neues. Wir können es noch nicht benennen, wir können es noch nicht anfassen, es gibt vielleicht noch nicht einmal das richtige Vokabular für das, was vor uns liegt. Es ist wie das fruchtbare Oregon für die Siedler, wie das verheißene Land für die Israeliten. Ich empfinde es so tief in meinem Geist, das es von größter Wichtigkeit ist, dass wir uns nicht aus Angst und Kleinglaube von der Reise abschrecken lassen. Dass wir bereit sind Traditionen und verlässliche Routinen loszulassen und Gott mit allem vertrauen, was wir noch nicht kennen und wissen. Es ist eine Zeit, wo wir teilweise gar nicht mehr genau sagen können, was uns ausmacht und was genau unsere Berufung ist. Das, was in der letzten Season ‚funktioniert‘ hat, wird in dem Neuen, was Gott vorbereitet nicht mehr greifen oder einfach zu menschlichem Aktionismus verfallen.

Lassen wir los, so wie der Musiker sein Klavier? Lassen wir uns von Gott rufen in dieses neue Land, auf diesen neuen Grund und Boden, der erst erschlossen und erwirtschaftet werden muss? Legen wir unsere Ministries, unsere Kirchen, unsere Arbeitsabläufe, unsere Ehrenämter, unsere ‚Funktionen‘ auf den Altar und sind wir bereit voranzugehen, wenn Gott uns den Auftrag gibt?

Für viele wird es in dieser Zeit massive Veränderungen geben. Gott wird Sicherheiten einfordern –  Führungspositionen, Eigenheime, Arbeitsplätze. Er wird dich fragen, wie er Petrus gefragt hat: ‚Liebst du mich?‘ Und je tiefer wir in unserer Liebe zu Jesus verankert sind, desto bereitwilliger können wir unsere Hände öffnen – um loszulassen und zu empfangen. Es ist eine Prüfung unseres Glaubens. Wie sehr sind wir in menschlichem Aktionismus gefangen und wo sehnen wir uns einfach nur nach Begegnung mit dem Heiligen Geist? Wie sehr folgen wir unseren Plänen und fragen nicht nach den himmlischen Blueprints?

Es ist eine Zeit, wo Gott mutigen Glauben mit Zeichen und Wundern begleitet. Es ist nicht mehr in unserer Kontrolle, sondern komplett abgegeben an den Herrn. Es entsteht eine neue Hingabe und Unterordnung in unseren Herzen und Gott ehrt das.

Als Christen ist uns dieser Pioniergeist in der DNA verankert. ‚Geht in die ganze Welt und verkündet allen Menschen die gute Botschaft.‘ (Markus 16,15). Die Bereitschaft auf unerforschten Wegen zu gehen und sich an die Begebenheiten von neuen, unbekannten Umständen anzupassen, ist tief in unserem geistlichen Erbe angelegt. Es ist an der Zeit diesen Abenteurergeist neu zu entdecken.

Lass dich von Gott rufen. Frage ihn wie du in dieser Zeit ein Pionier sein kannst. Erlaube dem Heiligen Geist dein Herz zu prüfen und sei  bereit mit offenen Händen vor Gott zu stehen. Gott baut sein Reich. Inmitten von allem Leid und aller Finsternis graben wir dem Feind das Land ab und lassen das Licht in die dunkelsten Ecken scheinen. Es ist herrlich und es ist schmerzhaft. Es ist das, wofür wir geschaffen wurden.

Steh auf und leuchte! Denn dein Licht ist gekommen und die Herrlichkeit des Herrn erstrahlt über dir.  Denn die Erde ist von Finsternis zugedeckt und die Völker liegen in tiefer Dunkelheit, aber über dir strahlt der Herr auf. Man kann seine Herrlichkeit über dir schon erkennen. (Jesaja 60,1)

 

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Die kleinen Dinge

Die letzten 2 Jahre habe ich meinen gesamten Lebensstil umgekrempelt. Meinen Konsum überdacht. Die Lebensmittel im Kühlschrank genauer unter die Lupe genommen und die Inhaltsangaben auf Shampooflaschen gelesen. Vieles, was ich vorher bedenkenlos und vielleicht auch etwas gutgläubig in den Einkaufswagen gelegt habe, wurde nun Schritt für Schritt rigoros aussortiert.

Ich glaube, dass Gott, nachdem er sich intensiv mit meiner inneren Heilung, meinem Herzen, beschäftigt hat, mich auf eine neue Reise der Heilung geführt hat. Und vielleicht ist das auch ein ganz natürlicher Prozess: wenn das Innere heil wird, hat das unaufhaltsam Auswirkungen ’nach außen‘. Ich habe das Leben ganz anders wahr genommen und mich selber auch. Und da konnte ich dann gar nicht anders, als Dinge in Angriff zu nehmen und es besser zu machen.

Ein großer Schritt war für mich nicht mehr das billigste Gemüse und Obst zu kaufen, sondern das gesündeste. Ich dachte immer: Hauptsache bunt, Hauptsache irgendeine Frucht, irgendein Gemüse. Egal woher es kommt, egal wie es angepflanzt, geerntet und verschickt wurde. Nachdem ich mich immer mehr damit beschäftigt habe, unter welchen Voraussetzungen Obst und Gemüse in unserer globalen Welt in den Handel gebracht wird, wusste ich: das kann ich nicht mehr unterstützen. Ich habe versucht meine Einkaufsliste nach der Saison zu richten und vor allem lokal und bio einzukaufen. Ich wollte keine giftigen Spritzmittel mehr auf meiner italienischen Tomate und meinem Salat aus Holland haben. Ich wollte reifes Obst essen und kein unreifes. Und ich war auch bereit mehr Geld dafür auszugeben. Wobei es unterm Strich nicht wirklich mehr Geld war – das bewusste Einkaufen hielt mich davon ab zu viel zu nehmen. Ich schmiss kaum mehr Obst und Gemüse weg, weil es schimmelig geworden ist oder es keiner essen wollte.

Nun hatte ich endlich eine gute und gesunde Routine für unsere Familie gefunden. Es fühlte sich wunderbar an, aufmerksam zu essen, zu wissen dieses Stück Frucht ist wohltuend und heilungsfördernd für meinen Körper.

Als wir nach Amerika kamen ist diese Routine total durcheinander gekommen. Es hat mich in Deutschland einige Zeit gekostet, bis ich wusste, wo ich was herbekomme – hier in den USA wusste ich gar nicht wo ich anfangen sollte mit dem Suchen. Zwar gibt es hier auch mittlerweile viele Bio Angebote – auch im normalen Supermarkt – aber ich vermisste meine Lebensmittel vom Bauernhof und wusste außerdem nicht, ob das Bio Siegel mit dem in Deutschland vergleichbar ist. Es hat mich richtig geschmerzt keine vergleichbaren  Lebensmittel zu finden und ich vermisste meine wöchentliche Biokiste, die mir in Deutschland an die Haustüre geliefert wurde.

Ich habe im Internet gesucht und schließlich eine kleine Farm gefunden, die ihre Obst- und Gemüseernte direkt verkauft, noch dazu ganz in der Nähe. Vor ein paar Tagen waren wir das erste Mal dort und mir kamen wirklich die Tränen, als ich an den Tomaten, den Zucchini, den Paprika und dem Knoblauch vorbeiging und alles bestaunte. So muss Gemüse aussehen! Ich hielt ein Glas Honig mit der Wabe in den Händen, entdeckte Eier von glücklichen, freilaufenden Hühnern und freute mich über die Erdbeeren (ja, die haben hier gerade noch Saison!). Ich erkundigte mich nach ‚raw milk‘ und erfuhr dabei, dass ich auch Hüttenkäse und saure Sahne hier bekommen könnte. Und frisch gepressten Orangensaft, ohne irgendwelche Zusätze. Ich war im siebten Himmel! Und während ich meinen Einkaufskorb mit all den Köstlichkeiten füllte, spürte ich die Liebe Gottes über mir.

Ich hab dich gesehen, mein Kind. Ich wusste, was dir fehlt. Und ich gebe es dir gerne. Freu dich daran! Genieße es.

Dieser Moment ist mir unendlich kostbar. Denn ich lerne gerade wieder einmal neu, dass Gott mich sieht und dass er meine Bedürfnisse kennt. Die letzte Zeit hat mich glauben lassen, dass Gott mich übersieht, dass er an meinen kleinen und großen Wünschen und Sehnsüchten keinen Gefallen hat oder dass sie einfach nicht wichtig genug sind. Die Welt verfällt in Angst und Schrecken – wie darf, wie kann ich da an mich und mein Herz denken? In all dem Schrecklichen was ich – und so viele, viele andere – erlebt haben und noch erleben, habe ich meinen Glauben an einen guten, an einen liebevollen Gott aus dem Blick verloren.
Ich merke, dass Gott diesen Schmerz der vergangenen Wochen und Monate heilen will und mir neu sein Herz offenbaren möchte. Er ist ein guter Vater, ein liebender Vater, der mein Herz durch und durch kennt. Diese Farm mit den Holzständen und den liebevoll ausgelegten Äpfeln, Birnen und Weintrauben war für mich wie ein Einblick in das Vaterherz Gottes. Ein Sehen und Schmecken, dass er gut ist. Ein Staunen darüber, wie er sich selbst um die kleinsten Details kümmert.

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Familie auf Reisen

Gestern sind wir wieder heil zu Hause angekommen. Nach langen Stunden im Flugzeug, Zeitverschiebung und dem ein oder anderen Trotzanfall (mal von den Kindern und mal von der Mutter), tat es einfach nur gut, durch die eigene Haustür zu gehen. Die vergangenen drei Wochen waren atem(be)raubend: insgesamt 6 Flüge, hin zur West- und dann zur Ostküste der USA, Familientreffen mit über 50 Leuten (von denen ich gerade mal 10 kannte), ein Schreianfall meines Jüngsten an irgendeinem Flughafen, wunderschöne Natur, intensive Familienzeiten und viele Gottesbegegnungen.

Mein Gebet vor dieser Reise war: ‚Herr, überrasche mich mit deiner Güte.‘ Ich hatte Angst vor all den Flügen, der Zeitverschiebung. Ich hatte Angst, dass ich mich das alles total auslaugt und ich völlig erschöpft wieder zu Hause ankomme. Es war für uns ein großes Geschenk, dass wir diese Reise überhaupt antreten konnten und trotzdem wollte sich bei mir im Vorfeld nicht so recht Vorfreude einstellen. Und so bewegte ich dieses Gebet immer wieder in meinem Herzen. ‚Herr, überrasche mich…‘

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Und das hat er. Obwohl so vieles schief lief: mein Jüngster bekam zwei Tage vor Abflug Streptokokken und musste Antibiotika schlucken, das er allerdings vehement verweigerte. Zwei Arztbesuche später hatten wir endlich ein anderes Arzneimittel verschrieben bekommen und ich konnte total verspätet mit dem Packen beginnen. Unsere 5jährige Tochter brach sich gleich am ersten Tag in den USA das Schlüsselbein. In der letzten Woche unserer Reise bekam mein Sohn einen fiesen (richtig fiesen) Magen-Darm-Infekt und weil es blöd ist so ganz alleine krank zu sein, hab ich gleich mitgemacht. Unsere Kinder waren teilweise äußerst anstrengend, weil sie völlig übermüdet waren.

Endlich eingeschlafen...
Endlich eingeschlafen…

Aber trotzdem schaue ich auf diese 3 Wochen zurück – und mein Herz ist so voll. Ich bin so dankbar, fühle mich so beschenkt. Und das ist so typisch Gott: im nicht Perfekten, mitten im Sturm, ist er da und überrascht mit seiner Güte. Ich warte so oft auf die perfekten Umstände und vergesse, dass Gott keine perfekten Umstände braucht für seinen vollkommenen Frieden. Ich hatte so intensive Gottesbegegnungen, wunderschöne himmlische Liebesgrüße. Was mir besonders im Gedächtnis geblieben ist: als wir in den USA Richtung Deutschland losflogen, hatte es in Strömen geregnet. Das Flugzeug kämpfte sich durch die dunklen Wolken, es ruckelte hin und her. Und dann plötzlich der Durchbruch: wir waren über den Wolken und die Sonne strahlte hell. Das Flugzeug flog wieder ruhig seine Bahn und ich dachte mir: was für ein gutes Bild für das, was ich in diesen 3 Wochen wieder einmal gelernt habe: auch wenn es regnet und stürmt in meinem Leben, ich mich nach schönem Wetter sehne, nach einem geebneten Lebensweg: die Sonne scheint immer. Seine Gnade ist immer für mich verfügbar. Ich muss nur durchbrechen zu ihm. Und dann ist alles möglich.

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Jetzt muss ich das Gelernte im Alltag umsetzen: die Koffer wollen ausgepackt werden, der Jetlag nagt an den Nerven und macht die Nächte zum Tag. Ich bin müde. Die Kinder nörgeln.

Herr, sende deinen Frieden mitten in meinen Unfrieden hinein. Lass mich durchbrechen durch meine Wolkenfront, hinein in dein Licht. 

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Ein kleiner Kulturschock

Heute früh am Münchner Flughafen.

Wir haben gerade drei herrliche Wochen im kinderlieben Amerika verbracht. Unsere Kinder wurden überhäuft mit Komplimenten von Menschen, die uns einfach so auf der Straße oder in Geschäften begegnet sind, sie wurden immer und überall nett angelächelt und nie hatten wir als Eltern das Gefühl, unsere Kinder würden stören. An jeder Ecke, bei jedem Einkaufszentrum gibt es Angebote für Kinder, Hochstühle sind in Restaurants mehr als genügend vorhanden und werden sofort und ohne Aufforderung an den Tisch gebracht – natürlich mit einem Lächeln! Das Regal im Bastelgeschäft mit Angeboten für Kinder schien endlos und immer wieder wurde unseren Mädchen das Gefühl gegeben, etwas Besonderes zu sein: sei es mit rosa schimmernden Luftballons, einfach so von einer Servicekraft hervorgezaubert oder dass sie den besten Sitzplatz neben dem Kutscher bekamen, während alle ‚großen Leute‘ hinten saßen.

Zurück zum Münchner Flughafen. Wir sind müde nach einem 8 Stundenflug angekommen. Die Kinder quengeln: wir haben Durst! Papa kauft zwei Flaschen Saft. Mir wird schnell klar, dass das eine große Sauerei werden wird, wenn die Kinder so aus der Flasche trinken und gehe nochmal zurück zum Kiosk, zeige die zwei Flaschen, erkläre, wir hätten sie gerade hier gekauft, ich deute auf meine drei Kinder und bitte ganz freundlich um ein paar Strohhalme. Der Mann schaut mich an als käme ich von einem anderen Stern. Er pustet schwer die Luft aus. Er schaut hin und her – ich denke schon, gleich kommt die Antwort, sie hätten leider keine Strohhalme. Schließlich schlurft er vier Schritte nach rechts, streckt die Hand aus und kommt widerwillig mit *einem* Strohhalm zurück. Anscheinend habe ich das mit den *zwei* Flaschen und den *drei* Kindern nicht deutlich genug gesagt, bedanke mich aber für den einen Strohhalm, den mir der Mann mit mürrischem Gesicht über den Tresen reicht. Als ich mich umdrehe, höre ich ihn noch mit seinem Kollegen einen blöden Witz darüber machen, dass ich mich nicht nach dem Preis erkundigt habe.

Meine Kinder bedienen sich nun zu dritt an dem einen Plastikrohr (wenigstens verstehen sie halbwegs das Prinzip ‚Teilen‘) und ich denke etwas frustriert bei mir ‚Willkommen im kinderlieben, familienfreundlichen Deutschland.‘ Ich tagträume mich kurz zurück in’s Land der (fast) unbegrenzten Möglichkeiten und sehe mich dort an einem Tresen stehen: ‚May I have some straws for my kids, please?‘ ‚Sure! No problem! There you go!‘ (Ich bekomme einen ganzen Bündel gereicht). ‚Your kids are so cute! Have a great day!‘

Thank you.

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