Nachfolge

Kein Fels in der Brandung

Letzte Woche ist am Dienstag urplötzlich unser süßer Kater Peanut gestorben. Er saß vor der Haustüre, genoss die Sonne, ließ sich von meinem Mann streicheln und schnurrte. 10 Minuten später entdeckt mein Sohn ihn ein paar Schritte weiter – tot. Einfach so.

Als ich meinen Sohn schreien hörte und mein Gehirn dann langsam – wie in Zeitlupe – die Bilder, die ich sah und meine Gedanken vernetzte und die Tatsache in mein Herz sackte, hat es tief in mir drin ‘klick’ gemacht. Irgendwas ist zerbrochen, irgendwas hat so furchtbar weh getan, dass ich das Gefühl hatte, ich halte das einfach nicht aus. Als ich Peanut liegen sah, hat es mich so tief erschüttert, dass ich über meine Trauer erschrocken bin.

Peanut war unser Wohlfühlkater. Er hat uns immer zum Lachen gebracht. Hat sich lustig mitten in den Flur gelegt und jeder musste über ihn drüber steigen. Das hat ihn überhaupt nicht gestört. Er hat meinen Mann jeden Morgen begrüßt und hat sich ausgiebig kuscheln lassen. Er hatte einen herrlichen Schnurrton, tief, wie ein Bariton, der unglaublich beruhigend wirkte.  Wenn er schlief, hat er manchmal geschnarcht und ich hab immer ein wenig gebraucht, um das Geräusch zu lokalisieren. Wir haben Peanut im April 2020 gekauft, zum Geburtstag unserer ältesten Tochter. Wir wollten ihr ein Tier schenken, das sie emotional unterstützt und ihr ein Gefährte wird. Und Peanut tat genau das und wurde genau das. Er war für uns alle in Zeiten von Quarantäne und Lockdown ein Freudenbringer. Als kleiner Kater, als er durch’s Wohnzimmer geflitzt ist und ich schon Sorge hatte, dass er diese Energie für immer bei behalten würde und als großer Kater, als er mich an den Kater Mog aus Judith Kerr’s Büchern erinnerte.

Als ich Peanut leblos vor unserer Haustüre liegen sah, da war es so, als wäre mir diese Freude gestohlen worden. Diese Lichtblicke im Alltag. Dieser lustige Garfield-Kater, dieses entspannte, beruhigende Tier. Es war ein Schlag in die Magengrube und dieses Erlebnis ließ mich auf wackligen Beinen zurück.

Warum das auch noch, Gott? Nach allem, was wir aufgeben haben, losgelassen haben – warum unser Kater? 

Die letzten Monate habe ich das Gefühl Gott nimmt mir Stück für Stück jede Sicherheit weg. Oder er lässt es zu, dass es mir weggenommen wird. Nicht gewaltsam oder gemein; ich spüre einfach, wie er es einfordert; ähnlich wie ich meinen Kindern ihre Handys von Zeit zu Zeit wegnehme, dass ich ihre volle Aufmerksamkeit haben kann. Oder weil ich weiß, es tut ihnen gut, mal nicht auf den Bildschirm zu starren. Ich spüre in all dem Loslassen-müssen Gottes Vaterliebe und gleichzeitig bin ich wütend und frustriert und unsicher. Je mehr ich aufgebe und loslasse, desto weniger weiß ich, wer ich eigentlich bin. Was mich ausmacht. Wo ich hingehöre. Dass unser Kater Peanut nun auch auf die lange Liste gehört von Dingen, die ich in den letzten Monaten verloren oder aufgegeben habe, fühlt sich ungerecht an. Unfair. Unnötig.

Ich spüre, wie mich dieser Verlust ins Wanken gebracht hat. Nichts ist sicher. Von jetzt auf dann kann alles anders sein. Ist das nicht das Motto unserer Zeit? Das Leben kommt in ungeordneten Wellen auf mich zugerollt, manchmal schaffe ich es meinen Kopf über Wasser zu halten, doch die meiste Zeit gehe ich kurz unter, schlucke Wasser, muss husten und es braucht ein wenig, bis ich wieder genügend Luft in den Lungen habe. Meine Füße verlieren ständig den Halt, der Boden ist uneben, die Wellen lassen mich immer wieder auf den Boden krachen. Es fällt mir schwer mich zu orientieren, fokussiert zu bleiben, ruhig zu sein.

Ich wünschte, es wäre anders. Ich wünschte, ich hätte für mich klare Antworten gefunden. Ich wünschte, ich wüsste genau wie ich mich positionieren soll, was ich sagen soll, welche Instagram Posts ich schreiben soll. Ich schwanke zwischen Hoffnung und Hoffnungslosigkeit und das fühlt sich nicht erwachsen an. So gerne wäre ich ein Fels in der Brandung, dagegen bin ich wie ein Kiesel, der von den Wellen hin und her geschlagen wird.

Diese Lebensphase zeigt mir brutal, dass ich den Gezeiten ausgeliefert bin. Dass ich gar nicht so stark bin, wie ich dachte. Dass ich immer noch viel Menschenfurcht in mir trage. Dass ich nicht so bin, wie ich gerne wäre. Und diese Erkenntnis tut weh.

Nein, ich bin kein Fels in der Brandung. Aber dieser Kiesel – er wird von den Wellen geschliffen, weich gemacht. Er wird von Ecken und Kanten befreit, sein inneres Muster wird sichtbar. Ist es in Ordnung wenn ich mich dem Unwetter unserer Zeit hingebe und Gott einfach sein Werk tun lasse? Auch wenn ich dabei nicht gut ausschaue und scheinbar alles verliere? Vielleicht mein Ansehen, vielleicht meinen Besitz, vielleicht Freunde, Familie, meine Gemeinde, den Hauskreis? Ist es in Ordnung wenn ich mir blaue Flecken hole, weil die Wellen mich auf den Boden schmeißen, ist es in Ordnung einfach nur über diesen Schmerz zu weinen? Kraftlos, haltlos, erkennend, dass ich nichts habe und nichts bringen kann?

Diese Zeit zwingt mich zu einer Bankrotterklärung. Mein ganzer Stolz wird abgeschliffen, meine Errungenschaften wirken lächerlich angesichts dieser globalen Krise…angesichts der Ungerechtigkeiten, gegen die ich nichts ausrichten kann. Denen ich genauso ausgeliefert bin, wie all den anderen Lebensumständen. Ich würde so gerne etwas Schlaues sagen, etwas Entlarvendes, etwas, das die Spötter zum Schweigen bringt. Aber wenn ich meinen Mund öffne, dann ist da eine Leere. Es ist so, als würde Gott mich zum Schweigen bringen. Noch etwas, dass er gerade von mir zu fordern scheint – meine Stimme.

Ich lege alles auf den Altar. Alles. Ja, es ist eine Bankrotterklärung. Ich erkenne: mein christlicher Lebensstil, mein Tagesablauf, mein Alltag – alles, was vor 2020 in Stein gemeißelt schien, war teilweise eine Fassade. Es hat der Krise nicht standgehalten. Gott hat es entlarvt. Es war nicht stark genug, es war nicht heilig genug, es war nicht genug im Feuer geläutert.

Was wenn diese Zeit in der wir stehen, eine einmalige Chance ist, ‘Ja’ zu dem Feuer zu sagen, durch das Gott uns führen möchte? Was wenn diese Zeit eine einmalige Chance ist die Kirche, wie wir sie seit Jahrzehnten kennen, auf den Prüfstand zu stellen und von Gott beschneiden zu lassen? Was wenn es eben genau so sein soll, dass alles Kopf steht und Gott selbst die Fäden in der Hand hält und diese Zeit nutzen möchte, um seine Kinder, seine Kirche zu läutern?!

Sagen wir Ja?

Oder halten wir uns krampfhaft an allem Alten fest, an allem, was uns das Gefühl gibt, Kontrolle zu haben? An dem, was uns nach außen hin ‘heilig’ aussehen lässt?

Oh, ich spüre so sehr, so tief, dass Jesus die Tische in unseren Räuberhöhlenherzen umstoßen möchte. Er kann und will nicht länger dulden, dass wir unser Leben kompromissbereit billig der Welt anbieten. Dass wir so wenig begriffen haben was es bedeutet in Nachfolge zu stehen. Dass wir unser Leben so sehr lieben, dass wir vergessen haben was es heißt alles für Jesus zu verlieren.

Wir sind selbstverliebt. Ich bin selbstverliebt. In so vielen Bereichen. Und jedes Mal, wenn mich eine Welle in den vergangenen Jahren umgestoßen hat, spürte ich wie mein Stolz sich aufbäumte und diese Schmach von Haltlosigkeit nur ganz schwer ertragen konnte.

Was würde passieren, wenn wir von den hohen Rössern unserer vermeintlichen Weisheit steigen würden, uns das nehmen lassen, was uns lieb und teuer ist und bedürftig und hilflos wie ein Kind vor Jesus treten würden? Was würde passieren, wenn wir begreifen würden, dass wir wirklich nichts zu bringen haben? Wenn wir uns diesem Schmerz stellen würden, Buße tun, Vergebung aussprechen und uns neu füllen lassen mit dem Heiligen Geist, uns neue Gewänder geben lassen, neu in unsere Berufung treten – ohne Kompromisse, ohne Menschenfurcht, ohne weich gewaschenes Evangelium? Wenn der Löwe von Judah durch uns sein Brüllen in dieser Welt erschallen lässt? Und wir nicht erschrocken zurückzucken, weil es ‘zu laut’ und ‘zu unangenehm’ und ‘zu störend’ klingt?

Ich spüre, wie Gott mich wie einen Kiesel in die Hand nimmt. Mich wiegt, fühlt, vielleicht noch einmal ablegt, weil ich noch nicht die richtige Form habe. Vielleicht brauche ich noch einige Wellen, bis ich geschmeidig genug bin das zu tun, wozu Gott mich berufen hat. Jedes Loslassen, jedes auf-den-Altar legen, jeder Schicksalsschlag modelliert mich mehr.

Eines Tages – das weiß ich – werde ich in einer Steinschleuder liegen. Perfekt geformt. Und einen Goliath zu Fall bringen.

 

 

Gedanken zum Leben

Es ist so wichtig, dass wir nicht vergessen, was Jesus für uns teuer am Kreuz erkauft hat und was seine Herausforderung, sein Zuspruch an uns ist: zu leben.
Der Duden umschreibt das Wort Leben mit ‘Lebendigsein, Exisitieren’ und erfasst damit zumindest das Fundament von ‘Leben’. Wir kommen in die Welt als hilfloses Bündel Mensch – wir sind lebendig, wir existieren.
Doch dann kommen Gedanken, Emotionen, Entscheidungen, Erlebnisse dazu und formen unser Leben. Wir sind alle lebendig, wir alle existieren – doch ist das nicht länger eine treffende Beschreibung von Leben. Es gibt Menschen, deren Herz schlägt, das Blut fließt durch ihre Adern – doch sie sind wie tot, abgestorben, hart und kalt. Und dann gibt es Menschen, die pulsieren von Lebendigkeit, sehen in jedem Atemzug eine Chance und in jedem neuen Tag ein Abenteuer.

Wie möchtest du leben? Wie definierst du Leben?

Jesus sagt: ich lebe und ihr sollt auch leben. Wie hat Jesus gelebt? Er ist auf dem Wasser gegangen, hat Stürme gestillt, hat sich nicht dem Zeitgeist untergeordnet und hat den Status Quo durcheinandergewirbelt. Er hat geheilt und getröstet. Er hat sein Leben niedergelegt für andere.

Wenn ich mir Jesus ansehe, dann sehe ich Leben.
So will ich leben.

Ich will nichts zurückhalten, ich will nicht auf Nummer sicher gehen, ich will auf Plan B verzichten und mich ganz hineingeben. Ich will Fehler machen dürfen und wissen, dass mich das nicht von seiner Liebe trennt und ich will goldrichtig liegen, indem ich Jesus nachfolge, egal was der Preis sein mag. Ich will mit meinem Leben herausfordern und – ja – auch provozieren. Provozieren für mehr Leben. Ich will die ‘Scheintoten’ wach rütteln und die Resignierten ins Leben locken. Ich will Mut machen und Freude teilen und Hoffnung spenden. Ich will mit jeder Zelle meines Seins leben und Leben spenden. Ich will Leben multiplizieren durch Mutterschaft und Mentoring, ich will Leben suchen im Feld der Totengebeine und mit Hesekiel sagen: ‘Ihr gebleichten Knochen, hört das Wort des Herrn! So spricht Gott, der Herr, zu diesen Knochen: Seht! Ich werde euch Atem einhauchen und euch wieder lebendig machen!’ (Hesekiel 37,4-5)

Im letzten Jahr ging es so viel um das Leben. Um die Erhaltung von Leben. Um den Schutz von Leben. Und ich habe mehr als einmal bei mir gedacht: wir waren nie weiter vom Leben entfernt. Mögen wir in dem Bestreben das Leben zu erhalten, nicht vergessen zu leben.

 

Tochter Gottes Talk mit Gaby Wentland

Ich freue mich sehr, dass ich mit Gaby über ihr abenteuerreiches, spannendes Leben sprechen durfte! Sie erzählt uns in diesem Interview darüber, wie sie als junge Frau nach Afrika gegangen ist um mit Reinhard Bonnke zusammen zu arbeiten, wie sie gelernt hat alle menschliche Kontrolle beiseite zu legen und zuerst nach dem Reich Gottes zu trachten und ermutigt uns ‘ganze Sache’ mit Jesus zu machen.

Das folgende Video ist ein kleiner Einblick in unser Gespräch:

Ich freue mich, wenn du morgen bei der Premiere auf YouTube um 10:30 Uhr dabei bist!

Viel Segen,

deine Inka

Du darfst mutig deine Stimme erheben!

Mir hat einmal jemand gesagt: ‘Let others deal with the weight of your personality.’

Wie oft habe ich das Gefühl, ich müsste mich entschuldigen. Ich müsste leiser oder lauter sein. Wie oft will ich es allen Recht machen und alle zufrieden stellen. Aber je länger ich mit meiner Geschichte und meinem Zeugnis unterwegs bin und je klarer mein Glaube wird und je schärfer meine Berufung – desto mehr verstehe ich: es geht nicht darum, es irgendjemanden Recht zu machen. Es geht nicht darum, andere zufriedenzustellen. Es geht nicht darum in ein Konzept zu passen und zu schweigen, nur weil die anderen auch nichts sagen.
Es geht vielmehr darum, Nachfolge zu leben und mir an Jesus ein Beispiel zu nehmen. Und Jesus hat unglaublich viele Menschen enttäuscht, weil er anders war, als sie es gerne gehabt hätten. Jesus hat ständig Menschen vor den Kopf gestoßen und sich über den Status Quo hinweggesetzt. Jesus hat am laufenden Band Dinge gesagt, die herausfordernd waren und sich gegen den Zeitgeist richteten.

Manchmal denke ich, wir haben verlernt starke, unpopuläre Überzeugungen zu haben. Weil wir keinen auf die Füße treten wollen. Weil wir einen vollen Gottesdienstsaal haben wollen. Weil wir wollen, dass der christliche Glaube ‘attraktiv’ ist. Ganz ehrlich? Ich hab genug davon. Ich will das echte, unverfälschte, provokante Evangelium. Ich will nicht um den heißen Brei herumreden und Dinge schön verpacken, die nicht schön sind. Ich will Ungerechtigkeiten in der Gesellschaft ansprechen und den Gegenwind aushalten lernen. Ich will die Welt, in der ich lebe, prägen mit der Liebe und mit der Wahrheit Jesu.

Deswegen sage ich dir heute: habe den Mut die Person zu sein, die Jesus sieht, wenn er dich ansieht. Du darfst kantig sein und anecken. Du darfst Dinge sagen, die andere nicht verstehen. Du darfst das aussprechen, was der Heilige Geist dir aufs Herz legt. Du darfst mutig deine Stimme erheben!

Auf sein Wort hin

Ein Leben mit Gott wird nie, nie langweilig.

So erlebe ich das und so erleben wir das als Familie.

Es fängt mit bedingungsloser Hingabe an, mit unserem schwachen, zittrigen ‘Ja’, mit einem ersten kleinen Schritt.

Es fängt an mit absolutem Vertrauen, kompromisslosem Glauben und großen Träumen.

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Heute morgen wurde ich an die Begebenheit erinnert, wo Jesus den Fischer Simon nach einer durcharbeiteten Nacht und einem leeren Fischernetz dazu auffordert nochmals auf den See zu fahren und die Netze erneut auszuwerfen. Am hellichten Tag. Jeder Fischer weiß, das bringt nichts.

Aber Simon, der raubeinige Mann macht, was Jesus sagt. Mich beeindruckt seine Reaktion: ‘Auf dein Wort hin.’

Und das Netz wurde übervoll.

Wenn wir es wagen unseren Erfahrungsschatz, unsere Klugheit, unsere Besserwisserei, unseren Stolz, unser Self-made Image über Bord zu werfen – auf sein Wort hin – dann werden wir überrascht mit Erfolg in anderen Dimensionen, mit tieferen Begegnungen mit unserem Erlöser, mit Neuland.

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Simon, der Fischer, wird später von Jesus den Namen ‘Petrus’ bekommen. ‘Der Fels’. Unser unerschütterlicher Glaube, unsere bedingungslose Nachfolge machen uns zu Felsen in der Brandung, für andere. Zu Lichtern in der Nacht, zu Leuchttürmen in Stürmen. Zu verlässlichen Vorbildern, zu authentischen Leitern, zu einfühlsamen Wegbegleitern.

So will ich sein. Auf sein Wort hin gehen, auch wenn es verrückt erscheint. Auf sein Wort hin das Netz auswerfen, auch wenn mir meine Lebenserfahrung sagt, das ist nutzlos.

Auf sein Wort hin, das tun, was er sagt.

Auf sein Wort hin hat mein Mann ein Buch herausgegeben. Am Anfang eine verrückte Idee, ein gewagtes Unterfangen. Jetzt halten wir es in Händen und können es kaum fassen. Ein wunderschöner Einband, ein klarer, ehrlicher Inhalt. Absolutes Neuland. Für uns alle. Morgen beginnt der offizielle Verkaufsstart. Wir sind aufgeregt und fühlen uns ein bisschen wie Simon damals. Überfordert, verunsichert. Aber auf sein Wort hin gehen wir diesen Weg. Er wird seinen Segen dazu tun.

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Vor ein paar Wochen habe ich mein Manuskript für mein erstes, eigenes Buch eingesendet. Zum selben Verlag, wie mein Mann. Irgendwie hat Gott es so konstruiert, dass mein Mann und ich gleichzeitig an einem Buch geschrieben haben. Manchmal haben wir gelacht, so unwirklich kam uns das vor. Und auch ich hab mein Herz nach außen gestülpt – auf sein Wort hin. Hab mich verletzbar gemacht auf diesen vielen Seiten, abgespeichert in einem Word Dokument, dass nun umgestaltet wird in ein wunderschönes, reiches, authentisches Buch.

Ich staune. Viel kann passieren, wenn wir uns aufmachen, auf sein Wort hin. Viel mehr, als wir uns je träumen und erhoffen könnten.

Wo ruft dich sein Wort hin? Wirst du gehen? Wirst du es tun?

Das Buch ‘Frei. Mann. Sein.’ kannst du bei www.free-indeed.de bestellen, beim SCM Online Shop oder bei Amazon.
Das Kursbuch trainiert Männer im geistlichen Kampf gegen ihre Pornografiesucht und gibt praktische Werkzeuge an die Hand: Männer lernen, die Bibel gezielt bei Anfechtungen einzusetzen, verbindliche Beziehungen aufzubauen, Auslöser der Sucht aus dem Alltag zu räumen und vor sich selbst und Gott ehrlich werden.

15 Einheiten voller authentischer Lebensberichte von Männern, die schon frei wurden, voller Kampfgeist und geistlichem Tiefgang.

Mein Buch wird im Januar 2019 erscheinen. Bis dahin ist es noch ein bisschen hin, aber ich werde in der nächsten Zeit euch Stück für Stück ein wenig mehr darüber erzählen…es bleibt spannend! 

 

 

 

Bild 1 und 2 von unsplash.com, Bild 3 copyright Hammond.

 

 

Alles

Mein Alltag ist ein Wirbelwind. Es bleibt nicht viel Zeit zum Nichtstun. Oder zum Bloggen. Das Leben fliegt im Eiltempo an mir vorbei. Meine große Tochter war über Pfingsten das erste Mal bei einem dreitägigen Pfingstcamp dabei. Als sie nach Hause kam, sah sie aus wie ein Teenager. Ich könnte schwören, ich habe dieses Kind erst gestern zur Welt gebracht. Auch mein Jüngster verändert sich ständig. In seinem Bett liegt jeden Morgen ein neues Kind. Und während meine Kinder mir das Gefühl geben, dass ich unaufhörlich alt werde, laufe ich trotzdem zu Höchstformen auf. Ich schwinge mich von der Dreckwäsche im Keller zum Aufräumen im ersten Stock und mache Boxenstopp in der Küche um mal eben das Mittagessen zu kochen. Ich klebe Pflaster auf blutende Knie, ich kämme lange, hoffnungslos verknotete Haare und nehme dabei gelassen in Kauf, dass meine Nachbarn denken könnten, wir schlachten gerade ein Ferkel. Ich schüttel kiloweise Sand aus Hosentaschen und suche (und finde gelegentlich) verlorene Schuhe, Brillen, Zahnspange und Kuscheltiere. Ich ermahne, lache, umarme, schimpfe, tröste und singe das selbe Gute Nacht Lied gefühlte 100 Mal. Pro Kind versteht sich.

Ehrlich: ich liebe mein Leben. Ich liebe es eine Mama zu sein. Es gibt für mich nichts schöneres. Es verlangt mir oft alles und mehr ab, aber ich gebe mich gerne hin für schlabbernde Babyküsse und Kleinkindumarmungen. Trotzdem hat dieses Wirbelwindleben auch seine Tücken. Freie Zeit z.B. ist Mangelware. Und Zeit mit Gott erst recht. Ich hab Augen im Hinterkopf, wie ich meinen Kindern gerne mal versichere (und sie glauben mir das auch – mir entgeht NICHTS!), aber meine Augen schauen selten gen Himmel. Ich lese zu wenig in Gottes Wort. Ich bete zu wenig, zu kurz, zu oberflächlich. Und weil mein Alltag so intensiv, so angefüllt mit Aktivitäten ist, vergesse ich oft, warum ich diesen Zirkus eigentlich manage. Ich vergesse, was der Grund für meine Existenz ist, das Ziel meiner Reise.

Vor ein paar Tagen habe ich ein Buch zu Ende gelesen, das mich innerlich sehr aufgewühlt hat. ‘Alles’ von Jennie Allen. Jennie beschreibt, wie Gott sie an einen Punkt gebracht hat, wo sie alles an ihn abgeben konnte. ‘Alles’ beinhaltet ihre Träume, Vorstellungen, Ängste, Sorgen, Hoffnungen. Sie und ihr Mann haben angefangen zu beten, dass sie nichts festhalten wollen, sondern bereit sein wollen, alles zu tun, was Gott von ihnen möchte. Sie wollen dorthin gehen, wo Gott sie hinführt.

So sehr ich mein Leben auch liebe und genieße – es geht hier nicht um mich. Ich bin nicht in erster Linie dazu geschaffen, das ich mir ein nettes, gemütliches Zuhause einrichte, Kinder großziehe und Geld für den Lebensabend beiseite lege. Meine Lebensziele sollten nicht irgendwelche Urlaubsziele oder ein größeres Auto sein. Ich bin dazu geschaffen, Gott anzubeten und seine Liebe und Herrlichkeit auf dieser Welt weiterzugeben. Das vergesse ich ständig. Spülmaschine einräumen fühlt sich nicht gerade ‘herrlich’ an und zum Kindergarten fahren hat nichts von einem Missionseinsatz an sich.

Jennie Allen, übrigens selbst Mutter von vier Kindern, sagt aber genau das: wenn wir unser ‘normales’, ‘langweiliges’, ‘monotones’, ‘abgesichertes’ Vorstadtfamilienleben in Gottes Hände legen und ihm sagen ‘Dein Wille geschehe, nicht länger meiner!’ – dann verwandelt er unsere Welt in eine bunte, farbenfrohe Achterbahnfahrt. Denn ganz ehrlich: tief in uns drin sehnen wir uns nach mehr, nach Abenteuer, nach Abwechslung. Wir fragen uns bei der 10. Durchfallwindel: ‘Und das soll jetzt mein Leben sein?’. Wir wollen MEHR vom Leben, weil Gott uns Leben in FÜLLE versprochen hat! ER selbst hat diese Sehnsucht in uns hineingelegt und nur ER kann sie erfüllen. Das heißt jetzt nicht, dass wir alle nun unsere Koffer packen und Missionare im tiefsten Dschungel werden sollen. Aber Jennie erzählt von wunderbaren Erlebnissen, wie Gott ihnen und vielen von ihren Freunden die Augen geöffnet hat für Möglichkeiten Gottes Reich vor ihren Haustüren zu bauen. Jennie und ihrem Mann hat Gott den Auftrag gegeben ein Kind zu adoptieren. Andere haben große Geldsummen für Menschen in Not gespendet. Und für einige hat dieses Gebet der Hingabe tatsächlich einen Umzug zur Folge gehabt…

Was macht Gott mit mir, wenn ich ihm wirklich die Kontrolle über mein Leben überlasse? Das ist eine spannende Frage…ich stelle sie mir gerade. Mein Mann und ich beten dieses Gebet. Es macht mich unsicher. Denn ich habe schon sehr klare Vorstellungen davon, was ich gut finde und was nicht. Aber ich will bereit sein loszulassen und ich will nichts von dem verpassen, was Gott für mich, für uns vorbereitet hat. Genau wie Jennie Allen will ich nicht im Himmel ankommen und feststellen müssen, dass ich aus Bequemlichkeit, aus Angst oder wegen falschen Prioritäten viel verpasst habe. Ich will mitnehmen was geht…ich will Leben in Fülle.

 

Dirigiere mich!

Dieses Video habe ich gerade auf Facebook gefunden. Ein Orchester sitzt mitten in einer Großstadt und wartet darauf von Passanten dirigiert zu werden. ‘Dirigiere uns!’ steht groß auf dem Notenständer, wo normalerweise der Dirigent seine Noten platzieren würde.

Heute will ich so sein wie dieses Orchester. Ich will zu Jesus sagen: ‘Dirigiere mich!’ Und ich will es genauso tun, wie er es von mir will. Heute will ich ganz genau hinschauen und mich von Jesus führen lassen, ihm komplett vertrauen, ohne wenn und aber. Mich einfach mit hineinnehmen lassen. Gespannt sein, was er für mich vorbereitet hat.

Das Problem mit der Unzufriedenheit

Mein Herz ist ein ruheloses Ding. Immer auf der Suche nach mehr, nach anderem, nach besserem, nach neuem. Nie zufrieden mit dem Hier und Jetzt, immer schielend auf die grünen Wiesen jenseits des Zaunes. Mein Herz ist blind für die Schönheiten vor meiner Haustür, weitsichtig träumt es sich in die Zukunft oder Vergangenheit, mein Herz tut sich  schwer das dankbar anzunehmen, was mir nahe ist. Wie ein rastloser Vogel, stösst es sich an den Stäben des Käfigs. Immer auf der Suche nach einer Tür, einem Ausweg.

Wer so ein Herz hat, kämpft oft mit Bitterkeit, mit Unzufriedenheit, mit Frustration. Er verliert den Blick auf den Segen, den Gott so großzügig gibt. Er verliert den Blick auf Jesus, der allein Erfüllung bringen kann. Es ist gefährlich so ein Herz zu haben. Anstatt zu einem glücklichen Leben zu verhelfen, vergiftet ein undankbares Herz alles.

Vor knapp zwei Wochen habe ich wieder mit meinem Herzen gekämpft. Ich fühlte mich so, als hätte Gott mich vergessen. Als hätte er meine Träume und Wünsche außer Acht gelassen. Ich dachte, dass andere bevorzugt werden, andere ihre Berufung ausleben dürfen, nur ich nicht. Ich fühlte mich – mal wieder – wie auf dem Abstellgleis. Und mitten in meine Unzufriedenheit hinein, für die ich mich schäme, hörte ich in eine Predigt. Über Abraham und wie er bereit war, sein Liebstes, Gottes Geschenk, seinen Sohn zu opfern. Wie wir bereit sein sollen, Jesus über alles zu stellen, was uns lieb und teuer ist. Wie wichtig es ist, unsere Ambitionen hinten an zu stellen, unser undankbares Herz dem zu geben, der es trotz widriger Umstände und Leid und Krankheit und unerfüllter Wünsche mit Dankbarkeit füllen kann.

Für mich ist das eine riesengroße und – ich ahne es –  lebenslange Herausforderung. Wenn mich der Drang überkommt auf andere zu sehen, was ‘die alles haben’, dann will ich meinen Kopf senken und mich ‘demütig unter die gewaltige Hand Gottes beugen’ (1. Petrus 5,6). Denn er sorgt sich um das, was mich betrifft.

‘Wen habe ich im Himmel außer dir? Du bist mir wichtiger als alles andere auf der ErdeBin ich auch krank und völlig geschwächt, bleibt Gott der Trost meines Herzens, er gehört mir für immer und ewig.’

Psalm 73, 25-26

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